Montag, 24. August 2026

Kerteminde / Romsø 18.8. - 24.8.2026

 

 

Die Fahrt nach Kerteminde ist ein weiteres Kapitel im Buch der „Werbung für den Segelsport“. Halbwegs sonnig geht es gegen moderaten Wind. Meist steuert Konstantina, die nicht einmal eine Tablette gegen die Seekrankheit benötigt hat, nur in den Hafen und unter der Brücke darf ich dann wieder. 
 

 

 

Das Anlegemanöver ist dann schon fast peinlich: Ich bin bei unserer Box der festen Überzeugung, keinen Luvpoller zu haben und lege an der Leeseite an. Mit Vorwärts, Rückwärts und Eindampfen schaffe ich dann doch noch die Luvleine anzubringen, - und wundere mich, dass Konstantina mit ihren Vorleinen schon längst fertig ist. Sie hatte Hilfe.
Eigentlich soll es nur ein kurzer Aufenthalt in Kerteminde werden. Ich möchte im ansässigen Marineshop endlich die Ersatzeile für meine Wasserpumpe und die Rollfock kaufen, Konstantina sucht, außer einer Reihe von Loppis einen Ort, von dem sie am Samstag nach Kopenhagen fahren kann, sie fliegt zu ihrer Mutter nach Athen.
Es kommt, wie so oft, anders.
Der sehr sympatische Laden ist sehr viel schlechter ausgerüstet, als gehofft. Weder Furlex noch Vetus steht auf dem Plan, mit Teile kaufen ist nix. Sehr weit weg fahren können wir ohnehin nicht, der geplante Ausflug nach Odensee fällt immer wieder dem schlechten Wetter zum Opfer. Die Kuchenbude, die wir nun im Nullkommanix aufgebaut bekommen, ist dabei ein echter Luxus.
 

Romsø

Wie unternehmen einen Ausflug zu der wunderlichen Insel Romsø. Die Hinfahrt ist lässig, sonnig und mit ein bisschen Rückenwind. Konstantina ist nicht von der Pinne wegzubewegen, so suchen wir uns einen Ankerplatz direkt vor dem Fähranleger, die Fähre fährt heute eh nicht. (Trotzdem sehr dumme Idee). Wir wandern über die Insel, die so gut wie unbewohnt ist, nur ein paar leere Ferienhäuser finden wir – und jede Menge Rehe und Hirsche. 







Der Wind frischt allerdings immer weiter auf und es fängt an zu regnen. Und ich werde unruhig, Dorma liegt vor Anker, auf der Luvseite der Insel. Ich sehe sie vor meinem inneren Auge schon am Horizont abtreiben. Als wir ankommen, liegt sie noch genaus so da, wie wir sie verlassen haben, nur tanzt sie jetzt ganz schön in den Wellen. Mit dem Dinghi zum Boot übersetzen ist schon ein Kraftakt, aber kein Vergleich zu Konstantinas, aus dem tanzenden Dinghi wieder an Bord zu kommen.

Zurück fahren wir mit Sonnenschutz unter Motor. Es windet und regnet, wie die letzten Tagen zuvor. 
Ansonsten warten wir eher das schlechte Wetter ab, essen, schlafen, arbeiten. Konstantina am PC, ich am Boot.
Einen sonnigen Tag gibt es noch, an dem wir das Johannes-Larsen-Museum angucken und spazieren gehen können
 


Ich treffe Lars, der barfuß mit seinem Hund spazieren geht, er lebt hier im Hafen auf seinem Boot, Sommers wie Winters, spricht perfektes deutsch. Ich lerne über das dänische Schulsystem, Migranten und das wunderschöne Holzschiff, das leider letztes Jahr abgesoffen ist. Für mich ist so etwas „reisen“. Spontan Menschen treffen, reden, erzählen und etwas mitkriegen. Konstantina bekommt allerdings Panik, sie glaubt, mir ist was passiert, weil ich eigentlich nur Milch und Butter einkaufen wollte.
Samstags um 5.40 bringe ich Konstantina zum Bus, ich möchte eigentlich gleich ablegen und weitersegeln. Aber bei 5-6 btf angesagten Wind und ehrfurchterregendem Geheul in den Wanten um uns herum traue ich mich nicht. Ich werde zum Schönwettersegler.
Immerhin treffe ich Lars noch einmal, morgens beim spazieren und Wetterabwarten. Er zeigt mit den „Schrottplatz“ des Segelvereins und hier finde ich tatsächlich einen Spibaum. Kürzer, als der, der wohl mal auf dem Boot war, aber lang genug. Beide Beschläge sind fest, aber das sehe ich als Herausforderung: Nach intensiver Behandlung mit WD40, Hammer und Schraubenzieher geht eine Seite wieder perfekt, die andere gut genug. Das soll mir reichen.
Anstatt weiterzufahren erlaube ich mir, das ärme Dier zu haben, für einen Tag. Ich bleibe an Bord und lecke meine Wunden. Und hisse trotzig die Einhandseglerflagge.
 

 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kulturschock Teil 1: Vejle 27.8. - 28.8.2026

  In Vejle erhoffe ich mir, in einem Marineshop, dessen Katalog doch immerhin über 800 Seiten dick ist, endlich meine beiden wichtigsten Ers...