Freitag, 28. August 2026

Kulturschock Teil 1: Vejle 27.8. - 28.8.2026

 

In Vejle erhoffe ich mir, in einem Marineshop, dessen Katalog doch immerhin über 800 Seiten dick ist, endlich meine beiden wichtigsten Ersatzteile zu finden.
Außerdem muss ich Wäsche waschen und eine Dusche tut auch mal wieder Not. Der Wind ist perfekt, ich brauche beim Start von der Boje nicht einmal den Motor anzuschalten. Ich werfe einfach die Leine los, und als sich das Boot langsam ausrichtet, setze ich das Vorsegel. Obwohl ich das Dinghi hinter mir herziehe, bin ich kaum  einmal langsamer als 5 Knoten.
Aber Vejle? 
 


Der Hafen? Nö. Das ist es nicht.
Der Laden hat keines der Teile, die ich suche, und der Hafen ist so laut, dass ich kaum ein Auge zumache. Die Brücke, und die Boote um mich herum machen einen Heidenlärm. 
 
 

Magisch: Æbelø 26.8.- 27.8.2026

 

Der Wind bietet mir  Æbelø oder Endelavø an, die Entscheidung treffe ich spontan.
Im Schmetterling, jetzt mit Baum, gehts Richtung Æbelø.
 
 
Kurz vor den Ankunft verabschieden sich allerdings die Nieten der Halteöse auf dem Spinnakerbaum, dann sieht das Segel nicht mehr so schön aus. Die Öse wird aber später provisorisch repariert.
 
 
Bei der Ankunft an der besseren, windgeschützten Ankerstelle sind alle drei Ankerbojen, die da gastfreundlich platziert sind, belegt. Macht nichts, ich fahre so weit wie es der Tiefemesser erlaubt, ans Ufer und lege den Anker.
Dann paddele ich los und streife über die Insel. Interessanterweise treffe ich dabei keinen einzigen Menschen.
 
 
 


 






Dafür einen Leuchtturm, der sich in Privatbesitz befindet.
 
 
Obwohl die Insel verlassen aussieht und dem Vernehmen nach renaturiert wird, gibt es gepflegte Wanderwege und irgendwie hat es den Anschein, als würde sogar das Gras ab und zu gemäht. Nur von wem?
 
 
Die Insel wirkt auf mich magisch und mystisch. Überall auf der Insel ist das Meeresrauschen zu hören, aber kein einziges mal ein menschliches Geräusch.
 

 
Als ich zum Boot zurückkomme, stelle ich erfreut fest, dass eine Boje freigeworden ist. Nicht, dass ich meinem Anker nicht vertrauen würde, aber an der Boje schlafe ich wie in Abrahams Schoß.

 


Mittwoch, 26. August 2026

Korshaven 24. - 26.8.2026

 

Jetzt beginnt der zweite Teil der Reise, ab jetzt fahre ich alleine, ab jetzt treffe ich alleine die Entscheidungen, wann ich losfahre, wohin ich fahre, wie weit. Wann und ob ich etwas esse, das ist meine große Freiheit. Aber es wird niemand da sein, dem ich dann sagen kann: "Isses denn nicht zu und zu schön?"
Und davor graust es mir schon ein bisschen. 
Damit es nach dem doch schmucklosen Hafen in Kerteminde mal ein bisschen schön wird, nehme ich als Ziel den Korshaven, schon weil mein Törnführer den als "Naja, da fährt halt jeder hin, aber so doll ist es nun nicht" abtut. Bisher habe ich nur in Häfen und Marinas übernachtet, das Ankern ist bisher zu kurz gekommen.
 
Bis ich den nördlichsten Punkt Fünens erreiche, kreuze ich die gesamte Fahrt über gegenan, dann schläft pünktlich eine Meile vor dem Ende der Wind ein und ich muss doch noch den Motor anwerfen.
Eingangs der Bucht trifft mich der eiskalte Pfefferminzschlag: Ein ganzer Haufen Masten. Die stehen aber, so stellt sich dann später heraus, im Hafen, die Ankerbucht bietet reichlich Platz.
Sonnenuntergang und Mondaufgang bieten ein Schauspiel, für das der Begriff: "magisch" erfunden wurde.
Auf allen Booten stehen die Skipper schweigend und sehen zu. Jeder für sich.
 

 
Den nächsten Tag nutze ich, um die Gegend zu erkunden. Nix besonderes? Das sehe ich anders. Mit dem Schlauchboot fahre ich zum Hafen und wandere los.
 

 
 
 
 
Und immer steht eine Bank da, wo eine Bank stehen muss. Weil man ja insgesamt viel zu wenig aufs Meer guckt. 



Die Meinungen sind allerdings doch wohl verschieden: Unterwegs begegne ich einem Paar, sie ist sehr aufgebracht und mault, dass sie doch jetzt hier nicht eine Stunde lang herumlatscht, das könne er aber gleich mal vergessen. Tja.
 

Eine zweite Nacht gönne ich mir noch an diesem stillen wunderschönen Platz, dann lege ich ab. Und weiß bei Abfahrt nicht, wohin ich will. Auch mal schön

 

Montag, 24. August 2026

Kerteminde / Romsø 18.8. - 24.8.2026

 

 

Die Fahrt nach Kerteminde ist ein weiteres Kapitel im Buch der „Werbung für den Segelsport“. Halbwegs sonnig geht es gegen moderaten Wind. Meist steuert Konstantina, die nicht einmal eine Tablette gegen die Seekrankheit benötigt hat, nur in den Hafen und unter der Brücke darf ich dann wieder. 
 

 

 

Das Anlegemanöver ist dann schon fast peinlich: Ich bin bei unserer Box der festen Überzeugung, keinen Luvpoller zu haben und lege an der Leeseite an. Mit Vorwärts, Rückwärts und Eindampfen schaffe ich dann doch noch die Luvleine anzubringen, - und wundere mich, dass Konstantina mit ihren Vorleinen schon längst fertig ist. Sie hatte Hilfe.
Eigentlich soll es nur ein kurzer Aufenthalt in Kerteminde werden. Ich möchte im ansässigen Marineshop endlich die Ersatzeile für meine Wasserpumpe und die Rollfock kaufen, Konstantina sucht, außer einer Reihe von Loppis einen Ort, von dem sie am Samstag nach Kopenhagen fahren kann, sie fliegt zu ihrer Mutter nach Athen.
Es kommt, wie so oft, anders.
Der sehr sympatische Laden ist sehr viel schlechter ausgerüstet, als gehofft. Weder Furlex noch Vetus steht auf dem Plan, mit Teile kaufen ist nix. Sehr weit weg fahren können wir ohnehin nicht, der geplante Ausflug nach Odensee fällt immer wieder dem schlechten Wetter zum Opfer. Die Kuchenbude, die wir nun im Nullkommanix aufgebaut bekommen, ist dabei ein echter Luxus.
 

Romsø

Wie unternehmen einen Ausflug zu der wunderlichen Insel Romsø. Die Hinfahrt ist lässig, sonnig und mit ein bisschen Rückenwind. Konstantina ist nicht von der Pinne wegzubewegen, so suchen wir uns einen Ankerplatz direkt vor dem Fähranleger, die Fähre fährt heute eh nicht. (Trotzdem sehr dumme Idee). Wir wandern über die Insel, die so gut wie unbewohnt ist, nur ein paar leere Ferienhäuser finden wir – und jede Menge Rehe und Hirsche. 







Der Wind frischt allerdings immer weiter auf und es fängt an zu regnen. Und ich werde unruhig, Dorma liegt vor Anker, auf der Luvseite der Insel. Ich sehe sie vor meinem inneren Auge schon am Horizont abtreiben. Als wir ankommen, liegt sie noch genaus so da, wie wir sie verlassen haben, nur tanzt sie jetzt ganz schön in den Wellen. Mit dem Dinghi zum Boot übersetzen ist schon ein Kraftakt, aber kein Vergleich zu Konstantinas, aus dem tanzenden Dinghi wieder an Bord zu kommen.

Zurück fahren wir mit Sonnenschutz unter Motor. Es windet und regnet, wie die letzten Tagen zuvor. 
Ansonsten warten wir eher das schlechte Wetter ab, essen, schlafen, arbeiten. Konstantina am PC, ich am Boot.
Einen sonnigen Tag gibt es noch, an dem wir das Johannes-Larsen-Museum angucken und spazieren gehen können
 


Ich treffe Lars, der barfuß mit seinem Hund spazieren geht, er lebt hier im Hafen auf seinem Boot, Sommers wie Winters, spricht perfektes deutsch. Ich lerne über das dänische Schulsystem, Migranten und das wunderschöne Holzschiff, das leider letztes Jahr abgesoffen ist. Für mich ist so etwas „reisen“. Spontan Menschen treffen, reden, erzählen und etwas mitkriegen. Konstantina bekommt allerdings Panik, sie glaubt, mir ist was passiert, weil ich eigentlich nur Milch und Butter einkaufen wollte.
Samstags um 5.40 bringe ich Konstantina zum Bus, ich möchte eigentlich gleich ablegen und weitersegeln. Aber bei 5-6 btf angesagten Wind und ehrfurchterregendem Geheul in den Wanten um uns herum traue ich mich nicht. Ich werde zum Schönwettersegler.
Immerhin treffe ich Lars noch einmal, morgens beim spazieren und Wetterabwarten. Er zeigt mit den „Schrottplatz“ des Segelvereins und hier finde ich tatsächlich einen Spibaum. Kürzer, als der, der wohl mal auf dem Boot war, aber lang genug. Beide Beschläge sind fest, aber das sehe ich als Herausforderung: Nach intensiver Behandlung mit WD40, Hammer und Schraubenzieher geht eine Seite wieder perfekt, die andere gut genug. Das soll mir reichen.
Anstatt weiterzufahren erlaube ich mir, das ärme Dier zu haben, für einen Tag. Ich bleibe an Bord und lecke meine Wunden. Und hisse trotzig die Einhandseglerflagge.
 

 


Dienstag, 18. August 2026

Überraschungen in Nyborg 16.8.- 18.8.2026

 

Das Wetter ist nicht mehr ganz so sonnig, und offensichtlich ist die Hitzewelle der letzten Wochen vorbei. Es ist merklich kühler geworden, aber der Wind gibt sich alle Mühe, uns das Leben schön zu machen. Mit einem Am-Wind-Kurs, den ich dem Boot eigentlich gar nicht zugetraut hätte, geht es wieder bis kurz vor den Hafen. 
Da müssen wir entscheiden: nach links in den trubeligen Yachthafen oder nach rechts in das nüchterne, fast leere Hafenbecken des Osthafens.
So pragmatisch wie das Hafenbecken ist auch der Aufenthalt: Konstantina entdeckt ein Secondhand-Kaufhaus, ich mache mich auf die Suche nach den Ersatzteilen, allerdings entpuppt sich der Marine-Service als längst geschlossen. (Danke, Google!) der andere Laden als reiner Motorboot-Händler ohne Ersatzteile.
 
Dann stirbt Konstantinas Smartphone und macht allen wieder mal klar, wie abhängig wir davon mittlerweile sind.
Ich bin den Vormittag unterwegs, einen Reparaturservice zu finden, erfolglos, dann kaufen wir ihr ein billiges Smartphone, weil ja immerhin das Flugticket nach Athen für Freitag in der App ist.
 
Dann - welche Überraschung treffe ich Guido, einen alten Schulfreund aus Kindertagen, der mit seiner Tochter in der Gegend war um ein Auto in Odense abzuholen. Der sitzt im Restaurant direkt neben dem Boot. Im Januar waren wir gemeinsam bei der Bootsmesse, er träumt auch davon, sich ein Boot anzuschaffen.
Meines ist ihm allerdings zu klein und zu alt.
 
Immerhin schaffen Konstantina und ich es noch, dem Schloss, das früher einmal so was wie der Königssitz war, und einem Museum, in der Stadt einen Besuch abzustatten. 
 
 

In diesem Cafe fühle ich mich sehr viel wohler, außerdem nutzen wir ausfühlrich die Angebote der Museumspädagogik.
 

 

 


 
  



Kulturschock Teil 1: Vejle 27.8. - 28.8.2026

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