Um innen entlang, durch das Wattenmeer, nach Ameland zu segeln, muss ich 3 Std. vor Hochwasser los. Das ist 5.30, da beißt keine Maus den Faden ab.
Der Wind wird uns perfekt aus SW und W begleiten, nicht stärker als 4 bft. wehen... und trotzdem kann ich so gut wie keine Sekunde schlafen. Es ist eben ein Riesenunterschied, ob ich nur für mich verantwortlich bin, oder jemanden an Bord habe, der diesen langen Schlag, am Ende werden es über 13 Stunden und 50 sm sein, zu ersten Mal mitmacht.
Insgesamt müssen wir über drei Flachs, das erste schon nach einer guten Stunde. Und eigentlich, nach meiner App, bin ich dafür zu früh. "Nun gut", denke ich mir, "die haben sich schon was dabei gedacht", mich 3 Std. von HW rauszuschicken und tatsächlich: 50 cm unter dem Kiel.
Über Flachs zu fahren, war mit der Schabernack und den 1.60 m Tiefgang immer sehr abenteuerlich. Und auch nicht immer erfolgreich. Und den Leichtsinn früherer Tage habe ich offensichtlich auch verloren.
Im Oosterom nehmen wir ganz schön Fahrt auf, immerhin laufen wir mit der maximalen Strömung mit. Trotzdem, als wir das 2. Flach, das Wantij erreichen, drossele ich die Geschwindigkeit. Wenn schon auflaufen, dann langsam. Ich weiß nicht, warum ich diesen Gedanken nicht aus dem Kopf kriege.
Während ich mich auf das Bojensuchen konzentriere, gibt Konstantina die Tiefe durch: "1 m , 0.9, 0.8, 0,6....." Ich traue mich kaum zu atmen, am Ende war die flachste Stelle 40 cm.
Dann gibt's Frühstück und dass selbst ein Käsebrot kann zelebriert werden, lerne ich von Konstantina.
Ich hatte gehofft, auf Robben zu treffen, die hier heimisch sind, aber die haben wohl gerade keine Zeit.
Die Blauwe Balg ist das letzte Flach. Wir kommen eine halbe Stunde vor dem Hochwasser Nes/Ameland an, also ist reichlich Platz unter dem Kiel. Auffällig: bei der Fahrt durch das Watt kamen uns eine ganze Armada von Boot sehr schnell hinter uns her und schloss im Nu zu uns auf. Kaum sind sie auf unserer Höhe, schlagen auf einmal die Segel, und das Tempo wird erheblich langsamer. Benutzt da jemand am Ende Motor und Segel?
Anton, der das hier alles nun wirklich wie seine Westentasche kennt, meint, dass kurz vor Hochwasser kein Problem ist, das Fahrwasser westlich von Ameland zu verlassen und durch das Bornrif zu fahren, das spart eine Menge Meilen. So ist das dann auch, ich hab immer 6 m unter dem Kiel, und dann geht es an die lange Strecke "Ameland außenrum".
Die ist dann gar nicht so angenehm, wie ich zuerst vermutet hab. Die alte Dünung schaukelt ganz schön, der Wind ist eher flau. Ich habe den Spinnaker schon draußen, als ich auf die Idee komme, vielleicht vorher das Vorsegel auszubaumen.
Damit wird sie Fahrt schon etwas ruhiger, und mehr Segel traue ich mich nicht. Wir habe ständig 3-4 kn über Grund, gegen die volle Strömung, so langsam sind wir also nicht.
Bei Konstantina.
Ich denke mir nämlich: "Och, wenn das im Bornrif geht, geht das hier auch." Aber wie sagte schon Torsten: die stellen die Tonnen hier nicht aus Blödsinn auf, die kosten nämlich Geld. Außerdem ist fast Niedrigwasser, und auch wenn die Karte überall 4-6m LAT anzeigt... Wir laufen auf. Sanft, aber bestimmt - und der Motor will vorgeglüht werden, egal, ob das jetzt dringend ist, dass der anspringt oder nicht. Wir sind auch gleich wieder drin im Fahrwasser und hören kurz danach über Funk, wie die Küstenwache ein schwedisches Boot in unserer Nähe anpfeift, zurückzufahren ins Fahrwasser.
Kurz spiele ich mit dem Gedanken, an der Engelmannsplaat zu ankern, ich verwerfe das, weil ich in der Strömung nicht zum ersten Mal mit Konstantina ankern möchte. Da wäre ich nicht entspannt.
Trotzdem, das Fernglas kommt verstärkt zum Einsatz, jede Menge Robben.
Der Plan ist, vor der Einfahrt zum Hafen Schiermonnikoog zu warten, laut meiner App "QuickTide" komme ich erst ab 22.00 durch die Einfahrt. Aber wir ändern das, ich plane zur Schleuse zu Fahren und die Nacht geschützt im Lauwersmeer zu verbringen.
Tatsächlich kommen wir um 18.40 an, um 19.00 ist Schluss mit Schleusen. (Zumindest verstehe ich das so).
Wir suchen uns ein paar hundert Meter weiter ein ruhiges geschütztes Plätzchen und werfen den Anker.
Der Sonnenuntergang ist fantastisch, allerdings kriege ich nicht so viel davon mit.
Ich liege in der Koje und schlafe, Konstantina schläft draußen beim Sonnenunterganggucken ein.
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und bleiben auch noch den nächsten Tag.
Wir lesen, liegen in der Sonne und fahren mit dem Dinghi zum Campingplatz auf der anderen Seite um unsere Vorräte, um die Konstantina immer sehr besorgt ist, aufzufüllen.
der Abend beschert uns noch mal einen Sonnenuntergang der besonderen Art.
Ich sitze an Deck, gegen den Mast gelehnt, Konstantina kocht etwas und singt dabei vor sich hin...
...
ich bin auf so viel Glück nicht vorbereitet.
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