Sonntag, 15. Juli 2018

13. - 15.7.18 Norderney


Die Fahrt ist weder besonders weit, noch irgendwie spektakulär. Einzig die Tatsache, dass ich erst gegen 12 Uhr rauskann, ist nicht optimal. Es bedeutet, dass ich erst spät in Norderney ankomme und mir kein neues Telefon besorgen kann.
Mit viel Mühe und einem alten, außer zur Navigation kaum noch nutzbaren, langsamen tablet, finde ich anhand alter E-Mail meinen Provider, Kundennummer und Tamaras Telefonnummer raus.

Die Fahrt ist dann auch langsam, selten fahre ich schneller als 4 kn, meist langsamer. Und in meinem Hinterkopf juckt immer wieder der Gedanke, das Wasser könnte zu flach werden, Tiefen von weniger als 4 m stürzen mich zur Zeit in große Besorgnis.

Den Schluchter versuche ich dann auch gar nicht erst zu finden, sondern fahre brav außen rum, vermeide großräumig alle Umgehungstonnen, vor allem im ersten Teil des Fahrwassers ist es flach. Nicht gut für meine Nerven heute.

Morgens früh kann ich vom Hafenmeisterbüro immerhin Tamara anrufen und kurze Absprachen treffen.
Ich fahre nach Norderney und es gibt tatsächlich einen (!) Laden, der Handies verkauft. Es wird ein Nokia-Handy (gibts tatsächlich noch) und eine prepaid-Karte, der Verkäufer verspricht, dass die in den nächsten Stunden aktiviert wird. Es dauert tatsächlich bis zum späten Abend, bis sich da was tut.

Als ich was Essen gehen will, trifft mich der Schlag: Mein Geldbeutel ist weg!
IST DENN DAS ZU FASSEN???
Und jetzt überkommt mich tatsächlich so etwas wie Panik. Kein Geld, kein Telefon, in Norderney.
Ich sehe die Riesenlawine auf mich zukommen, Personalausweis, Führerschein....
Und wie nach Hause kommen? EC-Karte, Geld, alles weg!
Ich versuche zu rekapitulieren, was ich alles gemacht hab, fahre die Strecken ab, die ich (vermeindlich) gelaufen bin, und dann stehe ich vor dem Zeitschriftenladen, in dem ich den Kölner Stadtanzeiger gekauft hab.
Mir schlägt das Herz bis zum Hals, aber als ich frage, ob mein Portmonnaie hier aufgetaucht sei und die Inhaberin mich nach meinem Namen fragt, fällt mir ein Stein vom Herzen, der nicht mehr zu benennen ist.
Dinge, die ich in letzter Zeit verloren hab:
  • Opinel-Messer (Das war in der Schublade)
  • Flaggenstock samt Nationaler (die war festgebunden)
  • Pinnenpilot
  • Smartphone
  • ---und jetzt fast mein Portemonnaie
Das ist doch nicht normal

Tamara sagt sich für Sonntag an, aber so ganz sicher ist das bei ihr nicht. Sie hat privaten Mist zu regeln, ich verbringe den Sonntag praktisch stand-by.
Immerhin kann ich noch auf den Leuchtturm steigen, der ist schon spektakulär.



Die Warterei wird zur Nervenprobe, denn der Zug, mit dem Tamara aus Münster kommt, hat Verspätung und es wird äußerst knapp, die letzte Fähre zu erreichen. Tatsächlich wartet die auf die verspätete Bahn und Tamara kommt spät abends noch an.
 

Donnerstag, 12. Juli 2018

12.7.18 Ameland- Borkum, Ach Du Sch...

Früh morgens gehts los, ich fahre noch gegen auflaufendes Wasser raus. Wind gegen Strom will ich vermeiden, auch in dem tiefen Gatt.
Ich folge dann auch ganz brav dem Tonnenstrich bis ans Ende. Das ablaufende Wasser schiebt mich so schön, dass ich bei Kompasskurs 30 Grad genau Nordkurs nehme und so um die weit ausladenenden Flachs herumkomme.Um 10 Uhr kann ich Kurs Osten nehmen und tatsächlich bin ich erst um 12 auf Höhe Westzipfel Ameland. Man braucht, ich unterschätze das immer wieder, unendlich lang, um um die halbe Insel herumzufahren. Die Fahrt ist unspektakulär. Meine Versuche sheet-to-tiller zu fahren, sind eher Zeitvertreib, als wirkliche Entlastung.
Als ich gegen 16.00 die Einfahrt ins Hubertusgatt suche, fahre ich um Haaresbreite in den falschen Tonnenstrich, ich traue dem Braten aber dann doch nicht und entschieße mich, dem Hauptfahrwasser zu folgen.Weiter draußen sehe ich ein Segel und denke mir: "so falsch kanns nicht sein, da lang zu fahren".
Dass ich die Einfahrtstonne für Hubertusgatt dann fast ramme, passt in den Tag.
Aber Hurrah, wenn ich diese Tonne gefunden hab und die zweite schon sehe, dann hinterher!
Ich folge dem Tonnenstrich dann auch bis fast ans Ende, da ist eine verzwickte Stelle, in der das Fahrwasser eigentlich durch ein Flach führt, mit Umgehungstonnen und der Eintrag in der Karte: "Work in progress".
Ich entschließe mich, bei der vorletzten Tonne ins, laut meiner Karte, tiefe Fahrwasser der Ems anzubiegen und werde wieder einmal tüchtig durchgerüttelt. Die Logge vorher noch auf 10-15 m zeigt nur noch beängstigende 3-4m.
Aber es geht gut und ich fahre die letzten Meilen auf der Ems bei auflaufendem Wasser und passiere die Fischerbalje.

Und dann nimmt das Drama seinen Lauf:

Sei es meine Doofheit oder vielleicht auch nur die 12 Stunden segeln, die mir in den Knochen stecken, ich verpasse das Fahrwasser hinter der Balje, und fahre schön parallel dazu über die Sandbank. Was natürlich nicht gutgeht.
Beim Segelbergen sitze ich fest. Aber sowas von.
Ich versuche mit Motorkraft rauszukommen, nach meiner Peilung werden ich allerdings immer tiefer auf die Sandbank getrieben.
Das Absurde: Ich bin ja auch hier rein gekommen, warum sitze ich beim Versuch, genau die selbe Route zurückzufahren, so unbarmherzig fest? 

Als nichts fruchtet, entschließe ich mich den Hafenmeister anzurufen, dass mich jemand rauszieht. Aber dann will ich doch noch einen letzten Versuch starten, dem Treiben eine Ende zu bereiten, das Adrenalin läuft mir schon aus den Ohren: Alle Segel hoch, quer zum Wind, und als ich mich dann auf die Leeseite setze, fahre ich raus, als wäre nichts gewesen.

Aber das Drama geht weiter:

Ich gehe, im tiefen Fahrwasser angekommen, aufs Vorschiff, um die Segel zu bergen, und als ich mich bücke, um die Fender auszulegen, sehe ich aus den Augenwinkeln ein kurzes Aufblitzen. Mein Smartphone, das ich in meine Jackentasche gesteckt hatte, bei der Idee, vielleicht doch noch mit Hilfe der Segel rauszukommen, verabschiedet sich und schwimmt ungefähr 0.0 Sekunden.
Und mit ihm alle Bilder von heute, meine Telefonnummern, alles.

Und am Wochenende will Tamara kommen. 

Über Port Henry ist alles gesagt und geschrieben, es istz der depressivste Hafen, den ich kenne. Abends gehe ich noch in die Hafenkneipe, um wenigstens per E-mail mit Tamara Kontakt aufzunehmen. Aber soweit kommt es gar nicht. Ich werde an die Theke gebeten, wo das Rauchverbot in Deutschen Gaststätten noch nicht zu gelten scheint.
Anwesend sind der Wirt, die Bedienung, ein Typ, der sich selbst als Massenmörder bezeichnet, da er Zigarettenautomaten aufstellt und betreut, als bester eigener Kunde auch ein Selbstmörder auf Raten und meine Wenigkeit. 
Wenn ich ein Laster in meinem Leben ausschließen kann, dann ist das "Kneipenstehen". Und so betrachte ich mich auch eher als stiller Zuschauer eines Treibens, das die #metoo-Debatte in neue Höhen hätte treiben können.  

9.7. - 11.7.18 Ameland


Dienstags ist es noch definitiv zu windig, ich habe keine Lust Wind-gegen-Strom bei 5-6 Bft zu fahren, deswegen bleibe ich zunächst im Hafen. Ich überlege hin und her, wie ich die weitere Fahrt planen soll, eventuell könnte es innen entlang Richtung Lauwersoog klappen. 

Ich lasse mir vom Hafenmeister und einer holländischen Seglerin, die auch einhand unterwegs ist, die NAP und LAT-Zusammenhänge erklären:
Die Karten zeigen nämlich immer die LAT-Wassertiefe an, also die geringstmögliche Tiefe gemessen in den letzten fünf Jahren. 

Nach allem hin-und herrechnen: Es reicht nicht, um durch das Amelander Wad zu kommen, haarscharf nicht.  Es bleibt dabei, ich muss außen rum. Und das zwingt mich fast dazu, noch einen Tag hier zuzubringen: Immer noch zu windig. 
Das wäre es gewesen, mit 50cm weniger Tiefgang

Ich fahre mit dem Rad über die Insel, überlasse mich ein bisschen der Wehmut,  weil ich seinerzeit eine so schöne Zeit mit Ute hier verlebt hab.
Ich habe so gut wie nie das Gefühl, bei all dem alleinsegeln "einsam" zu sein, gerade eben überkommt es mich dann aber doch.

Mit unverhältnismäßig hohem Aufwand bringe ich noch Licht in die Kochecke und den 3-fach-Stecker an. Das soll es dann aber auch mit Basteln gewesen sein, vorerst.

Nur: Wo zum Teufel ist eigentlich der Flaggenstock mit der Nationalen geblieben?

Dienstag, 10. Juli 2018

9.7.18 Kornwerdersend - Ameland


Ich kann kaum schlafen, weil ich so aufgeregt bin. Und bin ich auch schon vor vier Uhr wach und fahre los. Tatsächlich funke ich den Schleusenwärter an und kann ihm mit "kunnt je me naar beuten schleusen" dazu überreden, mir alleine die Schleuse zu öffnen. Es ist natürlich noch stockdunkel und so fahre ich mit Positionslichern und pipapo.
Per Motor und teilweise segelns gehts nach Harlingen, die ersten paar Kilometer schaffe ich es dann auch noch zu segeln, aber je weiter der Kurs nach Norden weist, umso schwieiriger wird es. Dann streiche ich die Segel und verlasse mich auf den Motor.
Der Plan ist es,mit einlaufendem Wasser bis Harlingen, dann mit dem Ebbstrom raus. 




Um 10 Uhr erreiche ich das Gatt und setze Segel, denn ich muss erst einmal dem Tonnenstrich nach Westen folgen, also vom Ziel weg. Ich traue mich nicht, durch die Flachstellen abzukürzen, vorletztes Jahr hat es mich hier einmal brutal durchgeschüttelt.
Aber der ablaufende Strom schiebt so schön, dass ich recht bald nach NW wenden kann um den Weg um die Flachs vor Terschelling gut hinzukriegen
Dann setze ich den Sheet-to-Tiller ein und nach einigem Fummeln klappt das auch ganz ok.
Die Strecke entlang Terschelling zieht sich ganz schön hin und ich bin froh, einen Trimaran in meiner Nähe zu haben, ich habe immer noch das Gefühl, dass irgendwas faul ist, wenn kein anderes Boot in Sichtweite ist.

Die Einfahrt ins Gatt nach Ameland finde ich dann problemlos und da die Flut gerade einsetzt, mache ich wieder einmal Jagd auf meinen Geschwindigkeitsrekord.
Anfangs geht es noch ziemlich hoch her, in den Flachs runherum schäumt und quirlt es. Um NICHTS in der Welt würde ich da jetzt reinfahren und der Weg ins Watt suchen.
In Höhe des Leuchtturmes wird es dann aber ruhiger.


 
Um 17.00 bin ich im Hafen und lege neben einem älteren kleinen Boot an.
Aber es ist kein Torsten an Bord, aber ein anderer netter Holländer mit Familie.

Um 20.00 Uhr schlafe ich auf der Liege im Salon ein. In Klamotten. 65 sm fahre ich auch nicht jeden Tag.



8.7.18 Es geht wieder los


den Samstag habe ich noch zu Hause vertrödelt, auch am Sonntag komme ich nicht zeitig weg.
Ich lasse mir viel Zeit, und komme erst spätnachmittags in Makkum an. Die Schleuse schaffe ich gerade so und im inoffiziellen Hafen in der Schleuse liege ich in 2. Reihe.

 Das ist egal, ich muss morgen um 4.00 los. 

Mittwoch, 4. Juli 2018

Texel und sheet-to-tiller 1.7.-3.7.2018

Ich habe so schöne Erinnerungen an meine erste Texel-Tour, ich will da gleich noch mal hinfahren. 
der Himmel am 2. Tag

Als Einhandsegler braucht man fast zwingend eine Möglichkeit, das Boot auch mal einer Selbststeuerung zu überlassen. Um zu kochen, auf die Toilette zu gehen oder auch nur, um sich auszuruhen. Zu Hause arbeite ich zur Zeit an einem Arduino-gesteuerten Autopiloten, aber das Projekt ist noch meilenweit von der Markteife. Auf dem Weg will ich die sheet-to-tiller Selbststeuerung ausprobieren. Was in der In der Theorie auch ganz einfach ist.


Das Großsegel wird einmal vernünftig ausbalanciert., das heißt, Segel werden so eingestellt, dass nahezu kein Druck auf dem Ruder herrscht.
Dann wird luvseitig eine Hilfsleine vom Baum durch einen Block zur Pinne gezogen, leeseitig werden Gummibänder angebracht.
Die Theorie: luvt das Boot an, oder kommt eine Windbö, erhöht sich der Druck auf das Großsegel. In der Folge versucht das Groß sich nach Lee zu bewegen, die Hilfsleine allerdings fängt diese Bewegung ab und lenkt das Ruder so, dass das Boot ein wenig abfällt.
Fällt das Boot allerdings ab, ziehen die Gummibänder an der Pinne und luven das Boot wieder an.

So die Theorie:
In der Praxis fahre ich eine Patenthalse nach der anderen, haue mir die Brille von der Nase und verheddere mich in Schoten und Hilfleinen.
Ich komme Mittags in Den Oever an, muss mich aber erst um 16.00 auf dem Weg nach Texel machen.
Also übe ein bisschen in verschiedenen Windrichtungen, komme der Lösung aber kaum näher.
Erst im letzten Abschnitt kurz vor Texel schaffe ich es, dass Boot eine Weile so zu lenken. Die (vielleicht) Lösung liegt darin, dass die Schot nach wieder vor das Segel trimmt, die Hilfsleine nur für die Minimalbewegungen zuständig ist. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das Boot nicht ohnehin seinen Am-Wind-Kurs mit festgestellter Pinne halten würde.

Auf Texel starte ich bei wieder mal blitzblauem Himmel eine ausgedehnte Fahrrdtour.
Der Himmel am 3. Tag

In der Nähe von Den Burg entdecke ich ein Museum der besonderen Art: Ein Museum für Strandgut und Strandräuber. Hier wird alles ausgestellt, was sich in den letzten Jahren am Strand von Texel angefunden hat.



Neben den üblichen Verdächtigen wie Taue, Helme oder Bojen finden sich Fernsehgeräte, PC-Monitore, eine halbe Yacht, Rettungskapseln von Schiffen und Ölplattformen, Flaschenpost, Schiffsschrauben, Ruder und und und...
Ich mache noch einen Abstecher an den Strand, aber wie zu erwarten ist es hier brechend voll, an Ruhe ist kaum zu denken. 


Abends liegt hoher Besuch im Hafen, Wie der es geschafft hat, hie hereinzufahren ist mir ein Rätsel



Ein wenig beunruhigt stelle ich fest, dass meine Funke es nicht tut, wegen mangelhafter Leistung - und siehe da. die Verbraucherbatterie ist hin. Sie lädt nicht mehr auf. Ich muss aber morgen früh irgendwie die Navigation hinkriegen und für die brauche ich Strom. Ich hoffe dann einfach mal, dass mein Redundanztablett funktioniert.
Um 4.45 gehts dann auch los, es wird ein perfekter Segeltag in einen perfekten Sonnenaufgang bei perfektem Wind - und blauestem Himmel
 Der Himmel am 3. Tag


Fazit: 

- Texel bleibt traumhaft

- Sheet-tot-tiller funktioniert nicht wirklich oder ich habe noch nicht rausgefunden, wie es gehen soll

- Das Fenster im Vorschiff erfüllt seinen Zweck 

- Ich habe einen Sonnenbrand

- achja, den Kirchturm in Den Burg hab ich auch bestiegen. Schön wars 

Sommerhitze 30.6.2018

Seit Tagen ist es heiß. Sehr heiß. Ich scharre seit Tagen mit den Hufen und will raus. Es gibt vor allem zwei Dinge zu tun: 
1. Dieses ewig undichte Lüftungsteil ersetzen
2. Irgendeine halbwegs sichere Selbststeuerung ausprobieren

Das alte Teil war ein Quell großen Ärgers: In verregneten Nächten tropfte es schlafenderweise ins Gesicht, oder wenn man auf dem Klo saß, konnte schon einmal einem Schauer kalten Wassers in das Genick bekommen.
Also: weg mit der Lüftung und eine Scheibe eingesetzt, die Lüftungsfunktion ist eh wohl theoretischer Natur. Außerdem wird dann im Vorschiff heller.
Beim Zuschneiden der Aluverkleidung arbeite ich zu ungenau, deswegen bleibt es erst mal hässlich - und dicht
 Dann fahre ich noch los und komme bis Stavoren.

Dienstag, 5. Juni 2018

Denn erstens kommt es anders... 29.5.- 2.6.18

Vor die Abreise hat der liebe Gott die Anfahrt gesetzt und die ist sensationell verregnet. Und ich schaffe es noch auf den letzten Drücker in den Hafen, die Schranke macht ja um 22.00 zu.

 Der nächste Morgen gehört dem Saubermachen. Ich habe meinen Kärcher dabei, und immer noch den Satz meines Vorbesitzers in den Ohren, dass man hier und da mal mit nem scharfen Wasserstrahl beimuss.



 Eigentlich ist es ja zum schämen. Links der vorher- rechts nachher... Dabei löst sich stellenweise die nachträglich aufgebrachte Deckfarbe - das riecht nach dem nächsten Projekt.
Ich fahre erst spät los und bin eigentlich vielleicht mit Tamara in Amsterdam verabredet. Sie muss erst noch ein paar familiäre Sachen organisieren.
In Lemmer entscheide ich mich, mal nicht im üblichen Gemeindehafen zu übernachten - sondern im Binnenhafen.
Nach der zweiten Brücke erfahre ich, dass ich Brückengeld zu zahlen habe, der Hafen hat keinerlei Infrastruktur außer einem Liegegeld-Automaten und ich muss im Päckchen mit einer Motoryacht liegen - und bin froh, dass meine Schabernack jetzt so schön geputzt ist.



Ich fahre zunächst einmal Richtung Urk und gegebenenfalls weiter nach Lelystadt. Je nachdem was der Wind macht.
Und der macht zunächst gar nichts.

Der Wind schläft wieder fast völlig ein, der Autohelm schnurrt vor sich hin, dem habe ich jetzt endlich einen Down-Konverter verpasst, damit nicht wieder Ladestrom die Elektrik ruiniert.
Es ist so ruhig, dass ich aus Langeweile die Bilgenpumpe ausbaue und zerlege, die Automatik funktioniert nicht.
Und dann kommen die Mücken. Schon wieder.
Und Stück für Stück zieht der Himmel sich weiter zu und dann bricht das Donnerwetter los.
5 Minuten nach diesem Bild muss ich mich entscheiden, ob ich meine Genua verlieren oder nass werden will, 5 Minuten und 5 Sekunden später bin ich bis auf die Unterhose nass, die Genua unten, die Fock oben und das Groß gerefft.
Ich habe alle Hände voll zu tun und segele gegen den Sturm an, überall um mich herum blitzt und donnert es. Ich fahre zu den Windrädern in der Hoffnung, dass die mir den Blitzableiter machen.
Es riecht nach Ozon und stelle fest, dass die Reling bis ins Wasser geht. Wenn ich vorne herumtobe und das Ruder fixiere.
Nach ein paar unendlich langen Minuten sehe ich, dass Urk Sonne hat, es ist also unsinnig, die Option "umdrehen und mit dem Wind fahren" ernsthaft zu verfolgen.
Außerdem sind um mich herum eine ganze Reihe anderer Boote, die sich mutig mit Motorunterstützung gegen den Wind ankämpfen.
Als der Wind abflaut, schmecke ich mein Adrenalin und ich schicke lästerliche Flüche und schüttele die Faust gegen das Meer.

Das ist ein Fehler
ein schlimmer Fehler 


 Und so komme ich in Urk an, und beschließe heute hier zu bleiben.

Neben mir liegen Geert und Ria mit einer -Achtung Torsten - Albin Vega. Er ist bereits Rentner, sie ist Juristin, die ihren Job gekündigt und ihre Wohnung in Amsterdam verkauft hat. Und jetzt von dem Geld lebt. Wir trinken auf der Hafenmauer Bier und Wein.
Stellen fest, dass das Bier "tien Procent" hat, egal, hoch die Tassen.

Abends kommt ein Trupp Segelschüler vorbei, einer stutzt und zeigt auf die Schabernack: "Das ist doch der Adrenalinjunkie, der da heute in dem Sturm gesegelt ist", Antwort Segellehrer: "Guck mal, der hat eine Einhandflagge dran, der weiß was er macht".
Gott, bin ich stolz

Weiter gehts nach Lelystadt, Tamara hat ihr Familiending nicht auflösen können und Amsterdam fällt aus. Es ist ziemlich diesig und die Navigation nach Landpunkten muss ausfallen.

 Hinter der Schleuse verabschiede ich mich von Geert und Ria, ich will ins Outlet, Schuhe kaufen. Danach weiter nach Enkhuizen und die Einhandsegler treffen.
Die Fahrt übers Markermeer ist eine Butterfahrt und dann passieren zwei Dinge auf einmal, die nichts miteinander zu tun haben:
Mit einem Knall fliegt der Autopilot aus seiner Halterung, reißt sich vom Kabel los und fliegt ins Wasser.
Zur selben Zeit bricht der Haltebolzen am Vorstag.
Das ist die Rache des blanken Hans, den ich gestern noch ausgelacht hab.
Ich versuche dann auch zwei Dinge auf einmal: Den Autohelm zu retten, der noch ein paar Momente schwimmt und die Segel zu bergen, was gar nicht einfach ist, das Vorsegel entwickelt ein Eigenleben.
Zwei Anfahrten auf den Autohelm starte ich, zwei mal verpasse ich das Ding knapp mit dem Enterhaken.
Dann kümmere ich mich darum, das Großsegel komplett herunterzuholen, weil ich erst jetzt das volle Ausmaß der Katastrophe erkenne. Dabei verliere ich den Autohelm aus den Augen und kann ihn nicht mehr wiederfinden.
Ich sehe auch noch, dass die Steuerbord-Unterwant schlackert. Nicht ein bisschen lose ist, sondern wild schlackert. 
Boah, nä!
Im Hafen untersuche ich den Schaden und stelle fest, dass nur der Bolzen hinüber ist, den ersetze ich provisorisch, falls ich morgen keinen bekomme.


Die Unterwant, so stelle ich fest, ist nicht kaputt. Dass die so lose ist, kann man bei gespannten Vor- und Backstag gar nicht so erkennen.
Also nutze ich die Möglichkeit und spanne ich beide Unterwanten bei losem Vorstag.

Und wenn ich schon mal zugange bin, dann kann ich auch gleich eine neue Dierk einziehen. Die vorhandene ist gerissen und wohl in Sneek von einem freundlichen Menschen wieder zusammengeknotet. 




Dazu werden die beiden Enden stumpf zuammen genäht und die neue Dierk mit der alten hochgezogen. Ein Zupfer und die die Nahtstelle ist über die kritische Stelle, die Rolle am Masttopp.
Und nun ziert eine neue Dierk das Boot.
Aber die Abfahrt hat sich so verzögert, dass ich die Brücke in Uitwellingerga nicht mehr schaffe. Die letzte Nacht verbringe ich so:
Es wäre Jammern auf höchstem Niveau

19.5. - 20.5.18 heimwärts

Enkhuizen entpuppt sich als sehr spaßig. Ich werde zwar in das hinterste Eck des Hafens gelegt, wo ein toter, nicht mehr ganz frischer Fisch im Ufergestrüpp schwimmt, ich lerne aber Klaus und Peter, zwei andere Einhandsegler und Uwe mit seiner Patnerin Ki kennen. Wir gehen auf Bierprobe in die Brauerei der Stadt und haben morgens einen dicken Kopf.
Wir besuchen uns gegenseitig auf den Booten, und die Abfahrt wird später und später...
Der Wind passt ganz genau und ich fahre mit Vollzeug gen Lemmer. 


Bis der Wind abflaut, dann kommen die Mücken. Myriaden und sie sitzen überall.


Der letztewirklich große Spaß ist dann die Schleuse in Lemmer.
Boote-Tetris, Quer stehende Motor-Charter-Dinger. Muttern die vorne herumtobt, während Vater am Steuer wenigstens den Anschein der Coolness wahrt.

Sønderborg 2.9. - 6.9. 2026

  Meine Laune ist nicht die allerbeste, als ich morgens aufwache, die ganze Nacht hat es geregnet, es war windig und ich bin immer wieder au...