Donnerstag, 2. August 2018
Sorgen 1.8.2018
Ich rechne und kalkuliere: Wenn es ein kleines bisschen Nordwind gibt, kann ich morgen den Flutstrom nehmen und bis Delfzijl segeln. Und dann den Motor nutzen, dem ich im Moment nicht so viel zumuten will.
Alternativ fahre ich mit den letzten drei Stunden Ebbstrom nach Lauwersoog, dann muss ich aber die ganze Zeit mit dem Motor fahren. Und irgendwie gefällt mir die Vorstellung nicht. Vor meinem geistigen Auge havariere ich, weil der Impeller nicht gewechselt wurde, der Motor einfach stehen bleibt, und ich in the middle of nowhere einfach so rumdümpele. Ohne Wind und ohne Chance irgendwohin zu kommen.
Ich kann fast nicht schlafe und um 5 Uhr habe ich genug: Ich stehe auf und gehe es einfach mal an. Wenns schief geht, habe ich bisher immer eine Lösung gefunden.
Es ist tatsächlich vollkommen windstill und mit mir verlassen noch einige andere Boote den Hafen, alle nehmen Kurs auf das Hubertusgatt.
Und da der Strom schiebt kann ich den Motor im Sparmodus belasten und komme trotzdem auf 6 kn.
Langsam gewinne ich das Vertrauen, dass es vielleicht klappen könnte, der Motor läuft ruhig, spuckt zwar kein Wasser aus der oberen Öffnung, (was ich als verschlissenen Impeller interpretiere) aber er läuft.
Kurz vor der Fahrwassertonne sticht mich dann doch der Hafer: ich kürze ab. Durch die mit "tief genug" gekennzeichneten Gebiete auf meiner Karte, immerhin ist gleich Flut. Und es klappt auch. Ich spare mir einige Seemeilen und hab jederzeit genug Wasser unterm Kiel.
Ich umrunde Schiermonnikoog und denke ein bisschen wehmütig an die Zeit mit Ute und Torsten. Und dass ich diese Insel mit diesem wunderbaren Boot nicht erreichen kann. Zu flach.
Die Hitze hat etwas bleierndes. Kaum Wind, kaum blauer Himmel, die Sicht verschwimmt.
Lauwersoog erreiche ich eine viertel Stunde vor dem Hochwasser, perfektes Timing.
Und gerade in dem Moment, in dem ich am Wartesteiger für die Schleuse anlegen will: GEHT DER MOTOR AUS!!!!!
Wohin mein Herz rutscht, kann ich hier nicht sagen, aber mein zweiter Gedanke ist: "Seit Spiekeroog bin ich 8 std. Motor gefahren." Ein Blick in den Tank: LEER!!! Ich habe es nur durch meine Abkürzung überhaupt bis zum Steiger geschafft. Also flugs ein paar Liter aus dem Reservekanister, der Motor erwacht wieder und dann geht es schon in die Schleuse.
Hier gibts einen enormen Höhenunterschied, die Tide ist ja schon kräftiger als in Kornwerdersend. Ich fahre auf Lauwersmeer, in meinem Hinterkopf spukt dies als möglicher Dauerliegeplatz fürs Boot.
Und natürlich habe ich die Bilder meiner ersten Tout 2013 im Kopf, als ich hier durchgefahren bin. Und hängenblieb. Ich erkenne die Stelle genau wieder und frag mich nun, wie denn das passieren konnte...
Mein Plan ist es, heute noch bin Dokkum zu fahren, und auf halber Strecke: DIE ILLUB. Torsten hatte ja einen Motorschaden und hat sie dann abschleppen und für den Rest des Jahres dort liegen lassen.
In Dokkum suche ich mir ein Plätzchen weit außerhalb der Stadt, bis ein Vertreter des Hafenmeisters an meinem Boot auftaucht. Ich bin wohl schon im Bereich des Hafens.
Nun, dann fahre ich auch gleich dahin wo es schön ist. Und keine Bande von feierwütigen Jungspunds mir den Abend versauen.
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