Dienstag, 21. Mai 2019

Kalmar 21.5.2019


Den Morgen beginne ich damit, mir im Bootszubehörladen einen Haken zuzulegen, den hier wohl jeder Segler an Bord hat. Den braucht man, um sich an einer Boje einzuhaken, damit wird das Anlegen an den Bojen angeblich zum Kinderspiel. 

Mit den drei anderen schauen wir uns dann erst einmal das Schloss an. Und das verdient das Prädikat Weltkulturerbe wirklich.









Meine Altersangabe ("5 Jahre")beantwortet die Dame an der Kasse allerdings mit "---No" und einem schallenden Gelächter. Ich muss also den vollen Eintrittspreis zahlen.

Im Schloss gibt es eine Multimediapräsentation über van Gogh, die zwar stimmungsvoll allerdings mit zu lauter Musik zu überladen daherkommt.




Der zweite Höhepunkt von Kalmar ist sicher die "Gammlastan", ein Teil der Altstadt, der nun wirklich so aussieht, wie die aus Astrid Lindgrens Krachmacherstraße entsprungen. Oder zumindest, wie ich mir das vorstelle.





Den Abend beenden wir auf meinem Boot. Wobei es mir durchaus ein bisschen peinlich ist, nichts hochprozentiges und nicht einmal Gläser für jeden an Bord zu haben.
Aber nur ein bisschen.


Christian holt Rum von seinem Schiff und Anja wickelt sich gegen die aufziehende Kühle in meine Kuscheldecke.

Geht auch so.

Motor an und dann immer geradeaus. Nach Kalmar 20.5.2019


Christian, auf dessen Schiff wir den letzten Abend bei Montepulciano verbracht haben, ist schon um 6:00 ausgelaufen, auf der Schabernack und auf der Rik wird es 9:00, bis die Leinen langsam los kommen.
Die Rik fährt 10 Minuten vor mir los, was für mich zur Konsequenz hat, dass ich im allerdichtesten Nebel stecke, während die beiden in schönster Sonne durch die Fahrrinne kommen.
Es gibt gar keinen Wind. Der versprochene Ostwind kommt nicht, auf der ganzen Fahrt nicht, deswegen muss der Außenborder ran. 28 sm immer geradeaus, das kann der Autopilot besser als ich.
Einmal wird es noch sehr nebelig, so sehr, dass ich die Nebeltröte betätige. So sehr, dass ich kaum mein Masttop sehe.


Irgendwann taucht Schloss Kalmar auf. 
Der Rest ist ein Kinderspiel, im Hafen treffe ich Christian, der mich gleich in eine freie Box winkt und Anton und Anja. Die haben noch gesehen wie mein Boot auf einmal im Nebel versank.


Der Hafen ist recht funktionell und allmählich zucke ich nicht mehr zusammen, wenn ich die Hafengebühr zu bezahlen hab.



Nun also Nebel 19.5.2019

Nach einiger Zeit voll großartigem Wetter scheint sich mein Glück zu wandeln. Erst stürmisch mit schönem Wetter, dann stürmisch mit schlechtem Wetter, jetzt Nebel.
Immerhin: Ich tue Dinge, die auch mal getan werden müssen: Wäsche waschen und die Spannung der Wanten kontrollieren. Ich sehe den zunächst einzigen anderen Segler im Hafen mit einem Gerät an den Waten hantieren und frage ihn, was er denn da mache. Er weiht mich in das Geheimnis der Wantenspannung, ein Thema, das ich bis heute nicht wirklich wahrgenommen habe, ein.
Meine sind, vereinfacht, viel zu labberig.
Damit ist der Vormittag gefüllt und am frühen Nachmittag verdienen die Wanten den Namen auch.
Mittags läuft eine Bianca 107 mit Christian an Bord ein, der mir erst einmal fröhlich zuruft: "deine Bekannten aus Holland kommen auch gleich".
Bis dahin ist noch Zeit für einen hübschen Spaziergang 









 "Weltkulturerbe" halte ich für ein bisschen übertrieben, aber idyllisch ist es schon. Mich würde es nicht überraschen, wenn Petterson auf der Dorfstraße entlanggeschlurft käme. 





Samstag, 18. Mai 2019

Mit dem Klammerbeutel gepudert: Kristianopel 18.5.2019


Es gibt diese Touren, bei denen man sich danach fragt: "was zum Teufel hast Du dir dabei gedacht?" Die heutige gehört ganz zweifellos dazu. 
Denn den ganzen Vormittag über ist es in Torhamn nebelig. 
Eigentlich macht das nichts, denn am Cafe neben dem Hafen wurde bis gestern Abend noch gehämmert und geschraubt und heute früh wird es mit einem Grand-Opening eröffnet. Man hätte so schön teilnehmen können und neue Leute kennenlernen.

Anton und ich nehmen uns allerdings vor, dass, wenn wir den Turm auf Torhamns-Udden sehen, losfahren. Man kann ihn zwar noch nicht ganz sehen, trotzdem werfen wir die Leinen um 11:00 los und fahren - in den Nebel.
Die Rik kehrt recht bald um, Anton mag das nicht, nach Plotter fahren, ich auch nicht. Aber solange ich von einer Boje aus die nächsten sehen kann, scheint mir, ist alles ok.
Am Ende des Fahrwassers setze ich Segel und erschrecke, als ich feststellen muss, dass ich den Verklicker, das kleine Teil auf dem Mast, der mir anzeigt, woher der Wind kommt, nicht mehr sehe. Genauso ist praktisch jede Orientierung verschwunden. Der Horizont, die Sonne...
Zurück? Im engen Fahrwasser, bei der Suppe? Oder weiterfahren und hoffen, dass das besser wird?
Ich entscheide mich für Option 2. Draußen liegen wenigstens keine großen Steine direkt neben dem Fahrwasser herum, die meinem Boot wehtun wollen.

Ich müsste kreuzen, um nach Kristianopel zu kommen, im Nebel ist das aussichtslos. Denn kreuzen muss ich mit der Hand und mir fehlte praktisch jede Orientierung. Also werfe ich den Motor an und starte mein Openplotter, weil ich hiermit das AIS von anderen Schiffen erkennen kann.
Openplotter für die grobe Richtung und Navionics für die Feinarbeit, so sollte es gehen.
Ich stelle kann kurzer Zeit fest, dass ich kaum einmal einen Kurs halten kann, weil um mich herum alles gleich aussieht, und das starren auf den Kompass ermüdet unheimlich. Also Autopilot. Aber auch der will zunächst nicht. 
Bis ich herausfinde, dass ich wohl aufs Kabel getreten und das Teil aus dem Stecker gezogen hab, vergehen bange Minuten.
Mit Motor und Autopilot geht's dann recht zügig, aber ich versuche ständig Löcher in den Nebel zu gucken, ob da nicht irgendwas kommt, was kein AIS hat.




Die Aussicht...



eine halbe Stunde später



und noch eine halbe Stunde später...

Ich fahre 100 m an einigen Windrädern vorbei und nehme die nicht einmal wahr.

Eine Kardinaltonne, die ich unbedingt zur Navigation brauche, finde ich so:



Trotzdem finde ich den Hafen und schaffe es, hineinzumanövrieren. 
Das Alleinstellungsmerkmal von Kristianopel ist die Stadtmauer und 88 Einwohner. 

Funfact: Die Dänen haben die Mauer gebaut, die Schweden haben sie kurz danach kaputt gemacht und das Dorf verwüstet. Dann haben sie sie halb so hoch wieder aufgebaut und feiern sie heute als Weltkulturerbe. Merkwürdige Welt.

Ich spaziere auf der Mauer einmal um die Stadt, was nur eine halbe Stunde dauert.







Freitag, 17. Mai 2019

Langeweile in Torhamn 16.-17.5.2019



Zwei Tage Sturm.
In einem Hafen, in dem die Rik und die Schabernack die einzigen Boote sind, in einem Hafen, der eh erst in 3 Wochen aufmachen wird. Ein Hafen, in dem es keine Dusche, keine Toilette gibt. Aber immerhin Strom.
Donnerstags ist immerhin noch schönes Wetter, ich schwinge mich auf mein Rad und fahre zu einem prähistorischen Denkmal, in dem während der Bronzezeit Menschen Bilder in den Granit geritzt haben. Die Hinweistafeln, die ich mir mit Google-Übersetzer lesbar mache, bleiben wage. keiner weiß, was das alles hier sollte.






Berauschend ist allerdings der Weg durch den Wald. Es ist, bis auf den Wind völlig still und der Geruch... Die Holzhütte in Finnland auf dem Campingplatz hatte so gerochen.
Ich schaue mir den Hafen auf der Kalmarsundseite der Halbinsel an, hier tobt der Wind und erinnert mich an eine Weisheit, die ich noch aus Gleitschirmfliegerzeiten kenne: 
Lieber an Land sein und wünschen, ich wäre draußen, als draußen zu sein und zu wünschen ich wäre an Land.
Der Wind frischt im Laufe des Nachmittags immer weiter auf und wird abends zu einem veritablen Sturm. Und wir liegen auf der guten, der windgeschützten Seite der Halbinsel.
Abends fahre ich nach Torhamnudden, dies soll ein Naturschutzgebiet sein, sicher eine beeindruckende Landschaft.





Aber Kühe, die das Schilf niedrig halten sollen? Schwedische Armee die hier Schießübungen abhält? In einem Naturreservat? Naja.
Anton ist etwas erstaunt, dass ich im Reservat war, abend hätte man das tack-tack-tack der Schießübungen bis in den Hafen gehört, mir wird ganbz anders.

Als ich abends mit meiner Mutter telefoniere, wird das Boot richtig durchgeschüttelt, Anton ist auch recht nervös und kontrolliert immer wieder die Leinen der Rik.



Freitags ist es auch mit der Sonne vorbei, der Regen steht quer in der Luft, es stürmt schauerlich. Aber ich hab ja Strom und der Heizstrahler verströmt eine wohlige Wärme. Ich hab das Gefühl, den Schlaf der letzten Monate nachholen zu müssen, lese Stephen King und strapaziere mein Datenvolumen.
Anton und Anja sehe ich nur kurz abends. Sie wollen auf jeden Fall weiter als Kristianopel, aber das soll mein Ziel morgen sein.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Schärennavigation für Fortgeschrittene: Torhamn 15.5.2019


Ab morgen wird ein zweitägiges Sturmtief durchziehen, es ist sinnvoll, sich ein Plätzchen zu suchen, wo man das abwarten kann. Da der Sturm aus Osten kommt, braucht man im Idealfall einen Windschatten gegen die Windrichtung. 
Anton bevorzugt eigentlich das freie Ankern, ich würde das auch, aber besser unter ruhigen Bedingungen. Die beiden wissen noch nicht so genau, was werden soll, ich entscheide mich für den Hafen Torhamn. Der liegt knapp am Kalmarsund, ist windgeschützt. 



Also fahre ich erst einmal alleine los. Die Fahrt ist unangenehm kalt und windig, bietet aber einen tollen Eindruck, wie Fahren in den Schären sein wird (uiuiui!)



Ich habe immer noch Torstens Satz im Ohr: "Die Tonnen stehen da nicht umsonst, die kosten viel Geld". Und so folge ich peinlich gebnau dem Tonnenstrich. Und der muss manchmal mit Landmarken gepeilt werden, Wenn die (teuren) Tonnen zu weit auseinanderstehen. Wobei die Fahrrinne auch mal nur 10m breit ist und daneben nicht etwa Schlick, sondern Granit wartet.
Ich atme erst im Hafen wieder tief durch. 



Der ist wieder einmal noch gar nicht in Betrieb. Am Cafe wird gehämmert und gebohrt, es soll erst in 2-3 Wochen losgehen. Ich habe den Eindruck, das ganze Leben und die Vegetation ist hier noch eine Woche später dran als Hanö. Mich stört das nicht, es gibt keinen Hafenmeister, aber es gibt Strom und somit kann mein Öfchen heizen und im Boot ist es kuschelig. Hier kann ich die 2 Tage Sturm gut überstehen.


Das alles wirkt hier ein bisschen "in die Jahre gekommen". Die Kais haben stellenweise sehr gelitten, und ob diese Ringe ein schweres Boot im Sturm gut festhalten...




Abends, oh welche Überraschung, höre ich niederländische Wortfetzen: Die Rik läuft ein.


Sønderborg 2.9. - 6.9. 2026

  Meine Laune ist nicht die allerbeste, als ich morgens aufwache, die ganze Nacht hat es geregnet, es war windig und ich bin immer wieder au...