Dienstag, 28. Juli 2026

Alles auf Anfang... 19.7.-28.7.2026 Malchin bis Wolgast

 Dorma, die 2.



Ich habe gehadert, geplant, umgeplant, die Entscheidung kam zögerlich: Ich werde meine Beziehung mit Caissa beenden.
Inzwischen hatte eigentlich alles ganz gut ausgesehen: Die Unarten habe ich ihr ausgetrieben, segeln tut sie mittlerweile richtig gut, sie ist trocken… aber ich kann nicht in ihr stehen, die Koje ist zu kurz. 

Als ich dann mit einer schönen Abfindung in die Rente gehe, wird aus dem „nur mal gucken“ eine ernst Suche nach einem passenden Ersatz.
Stehhöhe ist Mindestvoraussetzung, nicht zu viel Tiefgang und stabil. Wieder krieche ich durch Backskisten, Konstantina ist als Schimmeldetektor dabei. Ich fahre nach Kiel, Niederlande, DDR, besichtige Bianca 27, Delphin 66s, Rival 32s, Westerlys. Mehr als einmal dreht sich Konstantina im Niedergang um und weigert sich, überhaupt weiterzugehen, so sehr schimmelt es. Den Vogel schießt das Innere einer Westerly Pentland ab, bei der sogar ich Atembekemmung bekomme. 

Endlich werden wir am Kummerower See fündig.

Eine Marieholm fortissimo 33, eines von den Booten, die eigentlich über meinem Niveau liegt. 

Sauber, gepflegt, Stehhöhe. In der Ausstattung nicht ganz auf der Höhe, aber einiges kann ich noch beisteuern aus meinem Fundus. Wir segeln bei viel Wind Probe und ich bin begeistert.
Und meine Abfindung ist weg.
Das kleine Problem: Das Boot muss irgendwie an die Ostsee, da kommt man aber nicht mit stehendem Mast hin. Also muss der Mast vor Ort gelegt und dann am Ende der Peene wieder gestellt werden.

Zuerst prügele ich meinen armen Smart 1800 km von zu Hause nach Sneek, lade allen Kram, den ich mitnehmen möchte, auf, plus einen Großteil der Klamotten in den Anhänger, dann gehts weiter nach Kummerow, abladen, dann wieder nach Hause.
Eine Woche später fahren Konstantina und ich mit der Bahn von Köln nach Malchin, jetzt wird es ernst. Das erste Ablegemanöver aus dem kleinen Clubhafen, in dem Dorma bisher lag, zu dem Industriehafen, in dem der Mast gelegt werden soll, ist schon sehr aufregend, klappt aber erstaunlich gut.

Den Mast legen wir mit des Besitzers eigenem Kran, dann soll es 100 km lang die Peene hinuntergehen, dann, so der Plan, biegen wir nach Kröslin ab, da empfiehlt uns Christian eine Werft, die den Mast sauber und fachmännisch wieder hinstellt. Das traue ich mich beim ersten mal nicht selbst.

19. Juli Malchin-Demmin
Erst mal ausschlafen, dann legen wir aus dem Industriehafen, in dem wir eine Nacht unerlaubt gelegen haben, ab. Aufregung pur. Das Wetter ist solala, eher sehr windig. Das erste Ablegen klappt 1a, Christian hat mir gezeigt, wie man das Schiff bei hart auf Backbord gelegtem Ruder nur durch Gas vor und zurück auf der Stelle drehen kann.



 

 Über den Kummerowers See, vorbei gehts hinein in das, was die Leute hier „Amazonas“ nennen. 

Der erste Tag bringt uns, auch weil das Wetter nur halbgut ist, bis nach Demmin. Wobei ich von der Karte überrascht werde. Die Kilometerangaben der Karte haben so gar nichts mit den Kilometrschildern am Fluss zu tun. 

Auflösung: Der Autor meint, dass die Kilometrierung am Fluss falsch sei und schreibt in die Karte ganz einfach mal seine eigenen Messungen rein. WIe man sich jetzt orientieren soll, bleibt ein Rätsel. 

In Demmin traue ich mich nicht, in den Hafen rein zu fahren, der Mast steht vorne und hinten einen Meter über, davei vorne ziemlich tief runter… Da muss ich erst mal üben.
Der Hafenmeister ist jetzt aber erst einmal mit den Enkeln essen, außerdem ist heute abend Fußball. WM Endspiel. Dann guckt er abends noch ml in der Marina vorbei.
Guckt er nicht.

20. Juli Demmin-Loitz

Während Konstantina morgens arbeitet, gehe ich im nahegelegenden KODI Zeug einkaufen, von der IKEA-Klammer bis hin zur Butterdose. Kleinkram der einfach fehlt. Und weil das Wetter so gar nicht besser wird, kommen wir nur bis Loitz. Ist aber auch nicht so schlimm, Loitz ist schöner, auf eine merkwürdige Art. Vergammelte DDR direkt neben liebevoll restaurierter Häuser. 

 

Und wir werden völlig überrascht, als wir zum essen in ein HeimaRt [sic!] Restaurant einkehren. Die erste Soljanka meines Lebens… der Hammer. Konstantina ist nicht begeistert, sie schwört, die Kellnerin hätte mit mir geflirtet.

 


21.Juli Loitz - Stolpe

Ich verliere das Zeitgefühl, das ist ein gutes Zeichen, dass ich im Urlaubsmodus ankomme.
Wir fahren weiter, nachdem Konstantina ihren halben Arbeitstag erledigt hat. Es soll bis Jarmen gehen, das wäre die gemütliche Version. Hier soll es, laut meinem Revierführer einen Anleger geben. Naja, der Revierführer ist von 2012. Den Anleger gibt es nicht mehr, alles Baustelle unter eine Autobahn, nö, dann fahren wir lieber noch ein Stündchen. Konstantina ist sicher: in Stolpe, dem nächsten Wasserwanderplatz, können wir nicht anlegen.
Als wir da ankommen, zögern wir etwas, der Außenanleger ist frei, wir legen ein 1a-Manöver hin. Sofort kommen 
1. ein kleines Mädchen
2. Typen auf der Bank sitzend,
3. ein Hausmeistertyp aus einem offiziell wirkenden Kabuff an und erzählen uns, dass das total verboten ist.



Ich lasse mich beeindrucken, und fahre in den (sehr engen) Hafen. Konstantina: 
Όχι! Ich : „Doch“
Wir entern den Hafen, finden eine Box und fahren schnurstracks rein.
Schon steht der Hafenmeister auf der Matte und diskutiert in breitestem Brandenburgisch mit Konstantina. Es ist ein bisschen schwierig in der Box, weil morgen alle Hausboote raus- und reinfahren, da ist unser Mast, der ja ins Fahrwasser steht, hochgefährdet. Wir können natürlich eine Sondergenehmigung für den Außenanleger bekommen. 
Also wieder raus und einen zweiten (perfekten) Anleger. Und der Hausmeister kriegt auf den Sack.
Wir bleiben auch noch eine zweite Nacht, weil der Ort so hübsch und das Wetter so mies ist. 

 




Am zweiten Tag fahren wir rückwärts in die Box, im zweiten Anlauf klappt das perfekt.



23.Juli. Stolpe - Karnin
Als Konstantina ihre tägliche Lohnsklaverei hinter sich gebracht hat, legen wir wieder ab. Die Brückenzeiten in Anklam sind völlig chaotisch: Mein Törnführer von 2012 sagt etwas anders als die Schilder vor Ort, etwas anderes als die Internetseite. Wir machen eine kurze Pause, aber bleiben wollen wir hier nicht. 


Wir biegen auf den Peenestrom ab und suchen den Hafen in Karnin. Hier war ich schon mal, zumindest in der Nähe. Konstantina möchte nicht mehr nordwärts fahren, der nächste Hafen ist zu weit.
Das Anlegemanöver ist das schwächste bisher. Ich muss rückwärts in die Box, bei starkem Seitenwind, das schaffe ich mit Ach und Krach und viel Hilfe. Immerhin ist nix kaputt gegangen.
Die Hafensmeisterin, gleichzeitig Besitzerin der örtlichen Pommesbude, ist das Abziehbild einer unfreundlichen DDR-Motzbürgerin. Die ganze Wut über die Welt im allgemeinen und die Segler im Besonderen ist greifbar. „Platz?“ „Name?“ „Nä, der vom Boot interessiert mich nicht“ „Keine Karte, nur Bar“. Jeder Versuch, Freundlichkeit zu erzeugen, scheitert.

Es gibt kein Foto, sorry

24. Juli Karnin - Rankwitz
weiter gehts nach Rankwitz. Wieder ein kurzer Sprung, nur 2-3 std. Motoren, dann reichts für heute. Wir kommen in Rankwitz an, hier war ich aber schon mal. 

2012 mit Marion. Haben in der Strandliege gegammelt und die Füße hochgelegt. Die Pommesbude, an der ich zu Zeiten meine jährlich Fischmalzeit zu mir genommen hatte: Heute ein schniekes Fischrestaurant.  



25. - 28. Juli. Rankwitz - Wolgast
Ein bisschen gehts den Bojen entlang, alles kein großes Problem. In Wolgast wollen wir Pause machen. Ein Eiscafe, ein bisschen herumbummeln. Wir finden einen netten Platz im nicht so schönen Stadthafen, können endlich seitlich anlegen. Keine Box mit dem liegenden Mast.
Wir strolchen durch den Ort, wieder einmal, ich treffe abends den Hafenmeister, klar stellen die auch hier Masten: „Montag nachmittag, super machen wir.“ Hurra, Ich muss nicht mehr in die „Marina Kröslin“.

Obwohl es ziemlich windig ist, legen wir Montag nachmittag gleich los. Der Mast wird nicht nur einfach so wieder aufgestellt, erst einmal wird er komplett runtergenommen, aufgeräumt und dann wieder aufs Boot gestellt.




Dann endlich ist es wieder ein Segelboot

Wir lassen uns noch einen Tag Zeit, die Segel anzuschlagen und das schlimmste Chaos unter Deck zu beseitgen: Durch die Segel und den Lazybag waren Stauraum und Kartentisch blockiert, überall stand Zeug rum und an das meiste kamen wir nicht dran.

Ich mache wunderliche Entdeckungen: Notfallfackel von 1978 und einen Feuerlöscher immerhin aus den 1990ern
 


 







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