Montag, 4. Juli 2022

Lyö 3.7. - 4.7.2022

 


Lyö wird die letzte der Inseln sein, danach werden wir in größeren Schritten Richtung Heimat segeln. Zunächst versuchen wir dahin zu segeln, aber aller Versuche scheitern am Wind: Zu wenig, falsche Richtung.
Ich geb‘s irgendwann auf, dafür ist es zu schlicht zu warm und wir wollen ja auch die Insel erkunden, bevor wir dann nach Als weiterfahren. Dafür hat Ithaka einen Motor. Wir fahren gar nicht erst in den Hafen, sondern nutzen den Tag zum Ankern, gerade einmal 50m vom Ufer weg. Das Wasser ist hier, untypischerweise, 15m tief, Gelegenheit meine Ankerleine ganz einzusetzen.



Mit dem Dinghi fahren wir an Land und gehen spazieren. 


Wir stoßen auf eine Telefonzelle, in der man mit seinen verstorbenen Ahnen telefonieren können soll. Bei mir geht aber niemand ran.




Auch wenn man es nicht für möglich halten mag, Lyö ist mindestens genauso schön, wie die anderen Inseln, das Dorf ist weitläufiger und auch sichtlich belebter, weil wohl 100 Menschen hier dauerhaft wohnen. 




In der Nähe der wirklich schönen, sehr schlichten Kirche gehen wir Eis essen. Bis Konstantina in lauter Gelächter ausbricht. Die Bedienung ist Griechin, stammt aus Athen und arbeitet mit ihrem Bruder die Sommer über hier. Es muss viel gelacht und gestikuliert werden, dann zahlen wir einen erstaunlich hohen Preis für ok-Eis. Was die Preise hier angeht, ich gewöhne mich nicht daran, aber ich nutze meine Währungs-App nicht mehr. Das tut zu weh.
Abends werden wir auch noch mit einem Sonnenuntergang der Extraklasse belohnt,


bevor ziemlich kräftiger Wind aufkommt und gerade als es dunkel wird und die Einfahrt in den Hafen nicht mehr möglich ist, auch noch ein Gewitter. Konstantina schläft tief und fest, ich lege vorsichtshalber einen zweiten Anker aus. Es pfeift ganz schön, die Windrichtung dabei ist nicht ganz die, die vorhergesagt wurde: Wir sind  nicht etwa von der Insel geschützt, der Wind läuft laminar daran vorbei. Und das macht ihn nicht eben schwächer. Ich schlafe auch nicht richtig gut, gehe ein paar mal raus, mit dem Kompass peilen, das ist aber mehr Alibi.

Der Morgen empfängt uns mit einem frisch geputzen Himmel, als wenn gar nichts gewesen wäre: Bewegt haben wir uns kaum, sagt zumindest meine Ankerwache.

Sonntag, 3. Juli 2022

Faborg 30.6. - 3.7.2022

 


Mein Törnführer zeigt ein Bild vom „Idyll in Faborg“ und es gibt wohl ein recht ansehnliches Museum der "Fühnischen Malergruppe“, da wollen wir also hin. Wieder einmal mit ganz wenig Wind.
Als wir geradeso herumdümpeln, spricht Konstantina irgendwann mal den verhängnissvollen Satz aus: Come on, don‘t be lazy. Spinnaker!“
Gut gepackt ist das Teil noch von der letzten Aktion vor Helgoland, im Nullkommanix ist das Tuch aufgerollt, die Schoten gelegt, das Ding kann hoch. Ich werde übermütig und versuche die Regattaversion - die Genua bleibt stehen, der Spinnaker geht hoch, dann erst rollt man das Vorsegel ein - kein Geschwindigkeitsverlust.
denkste.
Das Hochziehen geht noch prima, nur beim Einrollen verkaspert sich das Spinnakerfall mit dem Vorsegel, mit der Folge, dass das Vorsegel verklemmt und sich weder ein- noch wieder ausrollen lässt, und der Spinnaker halb motiviert vor sich hinflattert und beide Segel zusammen das Boot trotz wenig Wind ganz schön in Lage bringen.
Ich versuche zunächst das Spinnakerfall irgendwie frei zu bekommen, führe es immer wieder um das Vorstag, bis es irgendwann möglich ist, das Vorsegel einzurollen. Wenn auch krumpelig, aber darum muss ich mich im Hafen kümmern.


Jetzt nimmt die Ithaka Fahrt auf, stattliche 4 kn werden es in der Spitze. Und wir sind tatsächlich die einzigen Segler, alle anderen fahren mit dem Motor.












Faborg ist wirklich recht idyllisch, wenn auch nach AErosköbing und Skarö eigentlich nicht mehr viel kommen kann. Zum Glück regnet es einen Tag lang, so besuchen wir das Museum von wirklich bemerkenswerten Malern und wir erfahren, dass H.C. Anderson hier in dieser Stadt war. 3 Tage lang. (Ich war mal an der Mosel in einem Goethezimmer. Das hieß so, weil der Dichterfürst mal eine Nacht auf der anderen Straßenseite übernachtet hatte. Und das, obwohl er sich despektierlich über die Klitsche geäußert hatte.)

Wir nutzen einen der seltenen sommerlichen Tage und gehen in die Fünischen Alpen, eine Tour, die die Konstantina in einer der Broschüren, die sich nun immer mehr in den Schapps der Ithaka ansammeln, gefunden. hatte. Geleitet von einer App erfahren wir über die Geologie, die Fünischen Maler, aber auch, dass sich H.C. Anderson „unsterblich“ in die Tochter eines Faborger verliebt hatte, weswegen die Dänische Dichterlegende als Sohn der Stadt gilt. Auch wenn er nach diesen drei Tagen nie wieder zurückkam.



Entdecken einen Lidl, und können zum ersten Mal während unseres Urlaubs abseits der atemberaubenden Lebensmittelpreise einkaufen. Und tatsächlich entdecken wir einen faltbaren Bollerwagen. Konstantina freut sich, jetzt können Bilge und Kühlschrank gefüllt werden, dass es eine Freude ist, ich freue mich, weil ich die Dieselkanister nun nicht mehr paarweise schleppen muss.
Die Suche nach einer vernünftigen, einzuhängenden Badeleiter in einem der größten Bootszubehörläden Dänemarks ist allerdings erfolglos. Schade.

Donnerstag, 30. Juni 2022

Hjörtö und Skarö 28.6 - 30.6.2022

 


Die Reise soll bei wenig Wind, der aber fast genau von hinten kommt, nach Skarö gehen, dort gibt es angerblich das beste Eis Dänemarks. Eis ist sowieso so eine Sache. Riesenkugeln, exquisitester Geschmäcker - wer hier nicht zum fan wird, wird es nie mehr. 



Mit ausgebaumtem Vorsegel trödeln wir so dahin. Im Fahrwasser kommen uns dann die Fähren entgegen, die einen ziemlichen Affenzahn draufhaben, ganz im Gegensatz zu uns - schneller als 3 kn werden wir nie. Das macht aber auch nichts, wir haben ein Etmal von 10 sm, da kann man es ruhig angehen lassen.
Zunächst biegen wir im Fahrwasser nach Hjörtö ab, Natur und ein entrücktes Dörfchen soll hier zu finden sein. Und vier Menschen leben hier. 


Zunächst einmal kommen wir in einen fast leeren, wenn auch winzigen Hafen. Bei fast völliger Windstille gelingt uns das Anlegemanöver dann gleich auch mal ganz prima.
Einer von den vier Bewohnern kommt uns dann auch mal mit dem Fahrrad entgegen, nur im Overall und sonst nichts. Dem Kleidungsstück fehlt allerdings ein Knopf, so dass die beachtliche Wampe nackt auf der Lenkstange zu liegen kommt. Ist ja eh egal, sieht ja kaum einer.






Wie versprochen gibt es ein zauberhaften Dorf und eine Menge Natur. 


und eine Art Minimuseum mit, natürlich, einer Eisbox.




Wir widerstehen der Versuchung hierzubleiben und mit einem besseren Kurs und etwas mehr Wind fahren wir die letzten drei Meilen nach Skarö. Das beste Eis Dänemarks wartet.

Skarö ist dann tatsächlich noch einmal ein bisschen schnuckeliger. Die Häuser mit Ried gedeckt statt mit Eternit, die berühmte Eismanufaktur und eine Kneipe mit Craft-Bier (10 Euro das Glas!) sind schon eine andere Liga. Es gibt einen medizinischen Kräutergarten mit Opium, Fingerhut und anderen zweifelhaften Heilmitteln.
Abends setzen wir uns mit einem Anlegebier (Dosenbier aus Sneek) in Decken eingehüllt aufs Vorschiff und sehen bei völliger Windstille der Sonne beim Untergehen zu. Ein dänischer Segler kommt vorbei und grinst: "schöner wird es nicht mehr".
Dem ist nichts hinzuzufügen.








  


Dienstag, 28. Juni 2022

AErösköbing zum zweiten 26.6. - 28.6.2022

 


Vielleicht beginnt langsam die Rückfahrt, von jetzt an werden die Ziele immer eher in Süden oder Westen liegen. Klar ist sicher, dass ich Konstantina AErösköbing  zeigen will, ein Zwischenstopp auf Birkenholm bietet sich da auch gleich an.



Tatsächlich finden wir im winzigen Hafen sofort einen Platz, spazieren über die Insel aber dableiben wollen wir nicht. Lustigerweise hat während unserer 2 Stunden der Wind um 180 Grad gedreht, sind wir vorher nur langsam mit Rückenwind hergekommen, müssen wir die letzten 6 Meilen nach AErösköbing mit dem Motor gegen den Wind fahren. 
Konstantina ist angemessen beeindruckt, und wir verlängern, auch wegen etwas zu viel Wind um einen Tag.


Abends statten wir den Strandhäusern einen Besuch ab, der Himmel brennt geradezu...


... und am nächsten Morgen - alles wieder gut. Die Reise kann weitergehen
  

Sonntag, 26. Juni 2022

Ankern in Lindelse Nor 25.6 - 26.6.2022

 


Der Törnführer, der diesen Platz erwähnt, macht hier zunächst ein Riesenfass mit einer ausführlichen Beschreibung auf: Auf welchem Kurs auf eine Kirche zuzufahren sei, bis man einer bestimmten Insel angesichtig wird, auf die man dann mit Kurs 180 Grad zufährt. Und so weiter. Alleine, das funktioniert nicht und macht nur Angst. Auf eine Kirche mit 078 Grad zuhalten ist nun mal schwierig, wenn diese Kirche erst zu erkennen ist, wenn man fast davor steht. Und von welcher Insel die Rede ist, ergibt sich bei einer Anhäufung von Inseln auch nicht und füphrt tatsächlich zunächst zu einem falschen Kurs.
Aber im Zeitalter eines Plotters fährt man einfach da, wo da Wasser als tief genug eingezeichnet ist und nicht da, wo Steine sind. So handhaben wir das auch und suchen uns eine schöne Stelle. Das Wasser ist tatsächlich gar nicht mehr ostseekalt und so schwimmen wir ein Weilchen und genießen die totale Stille 



und einen atemberaubenden Sonnenuntergang




Samstag, 25. Juni 2022

Nach Rudköbing 24.6. - 25.6.2022

 


Es sind immer nur Katzensprünge, die ich mit Konstantina machen kann, lange Segelstrecken sind nichts für sie. Nach Rudköbing sind es etwa 2 Stunden, die wir fast komplett segeln können. Anfangs tuckern wir noch mit dem Motor auf den Svendborgsund, aber recht schnell wird klar, dass das heute ein Segeltag vom feinsten wird.


In Rudköbing fahren wir nicht in den Yachthafen, der Törnführer klingt geradezu entrüstet, dass man doch wohl, wenn möglich in den Handelshafen fahren wird. Also tun wir das auch und bereuen es nicht. 






Rudköbing ist durchaus mehr als nur "nett", aber wenn man gerade aus AErösköbing kommt, ist es schwer. Wir laufen trotzdem viel durch den Ort, und finden uns bei einem Open-Air-Konzert mitten im Wald wieder. Mit Erdbeeren.


Und es ist warm. Richtig warm. Wie ein richtiger Sommer.
Schließlich finde ich noch die Bianca-Werft, wo die Schabernack gebaut wurde. 


Ich komme mir vor, als würde ich die Eltern meiner Ex besuchen- ich bin sicher, Ithaka wird sauer und mir wieder ein fieses Problem bescheren. 
Aber so hübsch Rudköbing auch ist, oder nach den Sanierungsarbeiten in der Altstadt sein möchte, zwei Nächte möchten wir nicht bleiben und so legen wir nachmittags los und fahren zum Ankern raus.

Sønderborg 2.9. - 6.9. 2026

  Meine Laune ist nicht die allerbeste, als ich morgens aufwache, die ganze Nacht hat es geregnet, es war windig und ich bin immer wieder au...