Sonntag, 22. Mai 2022

Nur ein kurzer Hüpfer: Leeuwarden -Dokkum 22.05.2022

 


Den ganzen Vormittag gibt es in Leeuwarden noch dies und das zu tun, ich drängele ein bisschen zum losfahren, aber es wird erst 13.00 Uhr, als wir die Leinen loswerfen.
Der Hafenmeister stand schon neben dem Boot und wollte die nächste Nacht abkassieren, da merkt auch Konstantina, dass es ernst ist, mit meinem Drängeln.
Wir tuckern gemütlich los, von Segeln keine Spur, dafür sind hier viel zu viele Brücken.
Und Windmühlen
Am besten beides zusammen.


Wir kommen um 17.00 in Dokkum an, hier weiß ich, wo fußläufig eine Tankstelle ist. Nur, während wir Diesel holen gehen, schließt der Brückenwärter mal ganz entspannt die Brücke: Zwar eine viertel Stunde zu früh, aber Feierabend ist schließlich Feierabend-
Und ein paar Minuten später steht der Hafenmeister am Boot und kassiert das Liegegeld. So geht das hier.


Also gehen wir erst einmal Kaffe und Kuchen essen, bringt ja nix.



Leeuwarden 20.5. - 22.5.2022


Auch morgens ist der Motor noch gut gelaunt, er springt gleich an, ich habe tatsächlich nichts kaputt gemacht. Nicht einmal die Batterie. Und die Fahrt nach Leeuwarden ist dann auch nur ein Katzensprung.

Mittags regnet wieder einmal wie aus Kübeln, ich trabe auf dem Weg zum Bahnhof, an dem Konstantina abends ankommt, noch beim Action vorbei, um einen Regenschirm zu kaufen. Man soll es nicht für möglich halten: eine viertel Stunde, bevor Konstantina kommt, hört es auf zu regnen und die Sonne kommt raus.

Und woran erkennt man, dass Konstantina auf dem Boot ist? Ganz einfach:

Wir bleiben den Samstag über noch in derr Stadt, gucken uns dies und das an und machen sogar eine walking tour, eine Stadtführung zu Fuß, die eigentlich nichts kostet, sondern für die freiwillig bezahlt wird, mit.



Ja, man erfährt eigentlich sehr, sehr viel mehr über die Stadt, als wenn man auf eigene Faust losläuft.

Donnerstag, 19. Mai 2022

Schreck in der Abendstunde 19.5.2022

 


Anton hat mir den Weg über Harlingen empfohlen, um den zeitraubenden und nervigen Eisenbahnbrücken südlich von Leeuwarden zu entgehen. Letztlich ist der Weg dann aber so weit, dass es dreimal so viele Brücken hätten sein können- ich wäre immer noch schneller in Leeuwarden.
Es soll eine Gewitterfront durchziehen, so sagte jedenfalls mein Bootsnachbar. Das tut sie auch um 6.00 morgens. Das ist auch ok, abgesehen von der Tatsache, dass ich aus dem warmen Bett raus muss, um die klappernden Fallen festzumachen. Die Strömung nach Harlingen läuft bis 12.00, da kann der Morgen ruhig angehen.
Als ich um 9.00 Zähne putze, fahren die Nachbarn los in die Schleuse. Sie verstehen wenigstens den Dialog an der Funke, ich glaube, die Schleusenwärterin hat angekündigt, die kleine Schleuse zu öffnen.
Also werfe ich auch die Leinen los und brause mit speed und Zahnbürste im Mund hinterher in die offenen Schleusenkammer.


Und dann warten wir. Und warten. Und warten.
Vom Unwetter ist nichts mehr übrig, über fast spiegelblankes Wasser geht es nach Harlingen. Wieder mit dem Motor. Und das mir, der doch eigentlich viel lieber segelt.


Der Hafen von Harlingen flößt mir einen Heidenrespekt ein, ich habe auch gar keine Zeit gehabt, mich schlau zu machen, wo es denn nun eigentlich zur Schleuse und zur Staande Mast Route geht, da sehe ich hinten in der Ecke des Hafens die anderen Yachten, mit denen ich durch die Lorenzschleuse gefahren bin.
Der Kanal ist wirklich nicht der Rede wert. Das Industriegebiet von Harlingen zieht sich ewig weit, erst ab Franeker wird es schöner. Aber keine Marrekrite in Sicht. Erst kurz vor Leeuwarden gibt es einen Anlegeplatz, und das ist dringend nötig, weil es dann unwetterartig anfängt zu regnen.
Da sollte ich eigentlich nicht reinfahren, den es sind nur 80cm Tiefe angegeben.

Das ist mir aber gerade völlig egal, ich versuche es trotzdem und schaffe es mühelos bis an den ersten Steiger. „Anfangs ist es immer tief, weiter hinten ist es flach“ sagt mein innerer Schweinehund und hat recht. Und weil es mir bei dem Wind ins Boot reinregnen würde, drehe ich sogar noch. Dabei bleibe ich dann doch stecken, was aber bei dem Wind eher ein Vorteil ist. Ich kann mich bequem rausbuddeln, ohne abgetrieben zu werden.
Als ich am Steg liege, (warum ziehe ich mir eigentlich nur eine Regenjacke, aber keine Regenhose an?), koche ich Kakao und lege mich erst einmal hin.
Zweimal ist der Motor nicht richtig angesprungen, das macht mir Sorgen. Entweder ist die Batterie nicht mehr in Ordnung, oder die Kontakte müssen mal gereinigt werden. Darum habe ich mich wirklich nicht gekümmert.
Ich stelle außerdem fest, dass wieder ein bisschen Wasser durch die Stopfbuchse reinkommt. Sehr wenig nur, aber immerhin.
Dass Nachziehen der Buchse ist schnell und einfach erledigt.
Beim Reinigen der Kontakte mache ich einen Fehler, für den ich mich ohrfeigen könnte:  Ich löse das mordsdicke Kabel am Anlasser (die Kontakt sind jetzt wirklich nicht so der Knaller, aber eigentlich sollte das doch klappen.... bbrrzzbbrrrzzbbrrzz... stieben die Funken durch den Motorraum. Ich habe das Massekabel der Batterie drangelassen und einen Mordskurzschluss produziert!
Zitternden Fingers hänge ich die Kabel wieder dran und traue mich auch kaum, den Schlüssel zu drehen - nichts passiert.

Gar nichts.

Ich könnte kotzen, ich habe wohl gerade meinen Urlaub gehimmelt.
Ich messe, es liegen 13 Volt am Kabel an, die Spannungsbirne glüht, sogar die Vorglühleuchte geht an. Trotzdem passiert nichts. Ich fange zunächst hektisch und planlos an, "was zu tun", typische Übersprunghandlung.
Dann rufe ich Konstantina an, die ich morgen ja in Leeuwarden am Bahnhof abholen will. Von ihr kommt der einzig sinnvolle Rat: heute nichts mehr zu tun, morgen zu einem anderen Boot gehen und fragen was man in einer solchen Situation macht. Und dannvielleicht nach Griechenland kommen. Und abschalten. Meditieren. So was.
Ich fahre langsam runter, natürlich kann ich nicht abschalten. Ich analysiere:
  • Der Zündschalter kann nicht kaputt sein, warum sollte er, da lief kein Strom durch
  • Der Anlasser kann eigentlich auch nichts abbekommen haben.
  • Die Lichtmaschine eigentlich auch nicht, da lief auch nichts durch, wenn nicht zufälligerweise das Kabel für die Zündkontrollleuchte auf dem Motorblock gelegen hat.
  • Es kann nur die Batterie sein, aber die ist 1. ersetzbar, und 2. scheint die ihre besten Tage ohnehin hinter sich zu haben.
Ich stehe also spät am Abend noch einmal auf und schließe die Verbraucherbatterie als Starter an: - und siehe da, der Motor startet, als wenn nichts gewesen wäre.
Und so hätte der geneigte Leser Zeuge werden können, wie ein bestager auf den Steig springt und ein wildes Tänzchen aufführt.
Und einfach nur so, nur um zu sehen, ob das klappt, schließe ich die Starterbatterie, die eben noch ihren Dienst verweigert hatte an, und siehe da:

-klappt.

Ich fasse es nicht.



Mittwoch, 18. Mai 2022

Umwege 18.5.2022


Ich starte in aller Herrgottsfrühe, denn heute geht die Fahrt ja richtig los. Mein Plan ist, zuerst nach Stavoren und dann zur Schleuse. Um über Harlingen über die Staande Mastroute nach Leeuwarden zu fahren, hier kommt am Freitag abend Konstantina an. Ich habe mein neues Vorsegel noch gar nicht ausprobiert und die Windsteueranlage ist aus dem experimentellen auch noch nicht herausgekommen.

Der Zalandomoment fällt allerdings aus, beim Segelsetzen vertüddeln sich die Fallen und Schoten, ich habe mit noch nicht daran gewöhnt, dass da nichts mehr im Mast läuft, sondern alles außerhalb. Zunächst klappt keine einzige Wende, ich bin froh, dass nicht so viele Leute auf dem Wasser sind, das ist ja schon peinlich.

Als es dann aber einmal läuft, als der Wind die Segel packt und dem Boot einen kräftigen Schub gibt, geht mir wieder das Herz auf.

Auf dem Ijsselmeer setze ich die Windsteueranlage gleich mal in Betrieb und bin überrrascht, wie genau das Ding steuert. 



Bei sehr, sehr wenig Wind versuche ich nach Norden zu kreuzen. Bis in in Hindeloopen bin, schläft der Wind ein, ich fahre den Rest mit dem Motor.





Ich finde ein Plätzchen am Steiger und werde beim Anlegen von einem anderen Segler angesprochen. Er fährt eine HR 39 auf der alles funktioniert und ist froh, dass er nur auf ein paar Knöpfe drücken muss um einen Kurs zu halten.

In diesem Moment kommt mir Ithaka so schäbig vor.

Dienstag, 17. Mai 2022

Unterwegs! 17.5.2022

 



Die letzten 2 Wochen sind voll mit Arbeiten am Boot. Eigentlich wollte ich schon am ersten Mai in See stechen, aber da war das Boot ja noch nicht einmal im Wasser.
Gestern wurden dann noch die letzten Aktionen gestartet: noch einmal hoch in den Mast steigen und die störrische Rollfock freimachen, das Dampferlicht, das auf einmal auch seinen Geist aufgibt, reparieren und (hoffentlich) endgültig den Wasseranschluss in Gang bringen. Und dann muss ich mich um den Motor kümmern: Ölwechsel, Impeller wechseln. Ventile einstellen. 
Seit einer Woche wohne ich schon auf der Ithaka im Hafen, gestern traf ich dann den Hafenmeister und erklärte meine Abfahrt für heute.
Ich brauche den Druck wohl, weil ich mir nach den letzten Monaten kaum noch vorstellen kann, wirklich abzufahren.
Anfangs war der Traum: Nach Haparanda in Lappland.
Dazu hätte ich aber schon Ende April weggemusst, und wäre weite Strecken gesegelt.
Dann kam die Realität: Ich fahre dieses Jahr nach Stockholm, nächstes Jahr durch den Bottnischen Meerbusen (nach Haparanda) zurück nach Stockholm und übernächstes Jahr nach Hause.
Zum Schluss kam die Vernunft: Ich werde, teils alleine, teils mit Konstantina, nach Dänemark fahren, Inselspringen, kurze Trips mit ihr, längere alleine. Ithaka kennen lernen.

Nach einem Tag voll Bootputzen, einkaufen, noch mal Boot schrubben, tanken und vorsichtshalber das Großsegel aufziehen, starte ich abends den Motor. Der Hafenmeister, der mit seiner Familie auf der Dachterrasse sitzt winkt, und bei völliger Windstille geht es raus. 


Trotzdem spielt mir Ithaka noch einen letzten Streich. Gerade, dass wir aus dem Kanal zum Hafen ausgelaufen sind, schaue ich auf das Ölthermometer. Das steht bei weit über 100 Grad.
Sofort schalte ich den Motor runter und checke, ob am Heck Kühlwasser kommt. Es kommt.
Ich versuche mich im Leerlauf an die Seite zum Anlegen zu mogeln, aber dafür habe ich zu wenig Schwung. 
Ich gebe wieder Gas: nichts passiert, nur der Motor wird lauter, ich komme nicht vom Fleck.
Wäre das Boot ein Mensch, so würde ich unsere Beziehung nun aber mal so richtig in Frage stellen.
Bis ich sehe, dass ich noch den Leerlauf drin hab.
Und beim zweiten Blick auf das Thermometer steht das auch wieder bei 80 Grad.
Sehr merkwürdig.
Natürlich komme ich nicht weit, nur bis aufs Sneeker Meer. Aber ich bin endlich unterwegs.
Ich fahre zu der Stelle, an der ich letztes Jahr zum letzten Male übernachtet hatte. 
Da, wo im letzten Jahr die Segelsaison (viel zu früh) endete fängt sie dieses Jahr (viel zu spät) an.












Dienstag, 10. Mai 2022

Ist es noch Wartung oder schon Refit? Kap 2: Fenster

 

Kapitel 2: Fenster

Oktober 2021

Wir erinnern uns: "Jaja, sind die Fenster dicht: Die hab ich selbst abgedichtet." Einen Scheiß waren die, um Haaresbreite hätte es meine Navigationselektrik gekillt, die unter einem Fernster platziert war. Außerdem ist das Baumarktzeug, 3mm dick und voller Risse an den Schraubenlöchern. 
Klar ist, dass die Fenster ausgetauscht werden müssen, unklar ist, womit.
Dass es keine Glasfenster werden, ist offensichtlich, wenn man sich die Preise dafür ansieht.
Also Kunststoff.
Und hier gehen dann die Glaubenskriege los:
Acryl oder Polycarbonat?
Eigentlich hatte ich gehofft, auf der Bootsmesse in Düsseldorf Antworten zu finden, weil aber Corona ist, fällt die aus. Also rufe ich bei einem Internetanbieter an, und weil der zufälligerweise in der Nähe meines Arbeitsplatzes ist, fahre ich dann gleich mal hin.

"Vorteil Acryglas: Billiger, kratzfest, UV-beständig. Wenn da ne Biegunbg drin ist.... hmmmm.... wir können das thermisch vorbehandeln....hmmmm.... " 
der Preis haut mich um.
"Polycarbonat is bei Deinem Boot besser. Musste aber mit dem Fensterputzen aufpassen, das zerkratzt leichter. Ab 4 mm gilt das als Sicherheitsglas, die Welle, die das kaputt macht, muss noch erfunden werden..."
Ich bin von so viel schnautzbärtiger Kompetenz beeindruckt, der Preis scheint angemessen.
Konstantina hat eine gute Möglichkeit ersonnen, mit Packpapier, Daumennagel, Stift und Klebeband die Fensterumrisse genau zu erheben.

Februar 2022

Nun ist es ja nicht so, dass Kleinigkeiten, wie der Kleber, Schrauben, Dichtmasse einfach so zu entscheiden wären. Weit gefehlt!
Welche Dichtmasse zu wählen, welche Vorbehandlung nötig ist, all dies ist Gegenstand heftiger Debatten in den einschlägigen Foren, Diskussionen, bei denen ich mir Sorgen über die Sozialkompetenz der Beteiligten mache.
Bis ich einen Beitrag über Butylband finde, der mich überzeugt.
Der Fensterausbau ist tatsächlich ein Klacks: Die Dichtmasse ist zum Teil schon so hart, dass uns die Fenster regelrecht entgegenfallen.


Aber leider auch so hart, dass das Abschaben zur Strafarbeit wird.
Wir dichten die leeren Fensterhöhlen mit Folie ab, und mit den alten Teilen als Vorlage säge ich im Keller die neuen Fenster aus. Mit Bohrlöchern und Holz für einen inneren Rahmen.


Schrauben kaufe ich bei Bauhaus, die haben V4A-Stahlschrauben mit Inbus - ideal, wenn man unter der Plane sehr beengt arbeiten muss.
Allein der Einbau: Ich muss unter der Folie arbeiten, weil ich die ja nicht jedes Mal herunter und wieder drauf setzen kann. Und drauf muss sie, weil die Fenster ja draußen sind. Und es ist immer noch Februar.
Hier bekommen ich dann eine Lektion in Demut und Geduld:
Die Schrauben, ach was hab ich mich über den Inbus gefreut, entpuppen sich als Problem: Da gehört ein 2,5mm Schlüssel rein, und den versuch mal zu finden. Als Aufsatz für den Akkuschrauber gibts den nicht, nur als klassischer Handinbus.
Und dann stellt sich heraus, dass die Schrauben gar nicht in die Gewinde so einfach rein wollen. Also wollen 4mm Gewinde nachgeschnitten werden: Schneideisen auf den Akkuschrauber, zack-abgebrochen. Rausgefummelt. Neuen Gewindeschneider gekauft.
Die Schrauben entpuppen sich zudem als Flop: Bei jeder zweiten rutscht der Inbusschlüssel durch.
Trotzdem schaffe ich es, zwei Fenster an einem Tag einzubauen. Nur: Wellen auf dem Wasser sind in Ordnung, Wellen am Fenster nicht.
Das Material ist ganz einfach viel zu dünn. Dort, wo die Schrauben sitzen, zieht sich das Material an die Wand, dazwischen nicht.
Das sieht scheiße aus und mehr als einmal sitze ich völlig erschöpft im Boot und zweifele, ob das jemals fertig wird.
Ich suche eine anderen Händler und kaufe 8 mm dicke PC-Gläser, stehe diesmal in Mutters Garage und schneide noch einmal.



Bis es dann irgendwann passt.
Aber: die vorderen Fenster haben viel zu wenige Schraubenlöcher. Also: Loch vorbohren (Bohrer abbrechen, rausfummeln) Gewinde schneiden. "Langsam und geduldig!" sagt Anton. "Und viel Schneidöl" 
Schrauben bestelle ich im Internet - werden verspätet geliefert. Also provisorisch irgendwelche einsetzen, damit die Fenster drin und das Boot dicht ist, ersetzen werde ich die später. Durch die Schrauben, die eigentlich hätten geliefert werden sollen, aber erst verspätet wurden.  
Erst als ich schon wieder in meinem Hafen liege, schaffe ich es, die letzten beiden Fenster einzubauen und die Schrauben auszutauschen..
Im Warmen, ohne Plane mit gut funktionierenden Schrauben brauche ich eine Stunde pro Fenster: 
Zuerst das Butylband anbringen, dabei die Schraubenlöcher aussparen.


Das braucht gar nicht schön auszusehen - noch nicht.


Nach dem Schrauben ist die Dichtung total glatt.


Die Überstände wegschneiden - es könnte so einfach sein


Und weil ich zu Hause neue Vorhänge genäht habe und die Rahmen einigermaßen genau geschnitten und gebohrt hab, sieht es ganz manierlich aus.




Ist es noch Wartung oder schon Refit? Kap. 1 Der Mast

Das Boot muss über den Winter raus. Da muss Rost entfernt, das Unterwasserschiff angeguckt und das Antifouling geprüft werden.

Meine Wahl fällt auf die Werft Jachtwerft Leechlan in Grou, direkt am Prinses-Margriet-Kanal. Drauf aufmerksam werde ich bei der Heimfahrt im Sommer, man darf wohl am Boot bauen (DIY-Bereich),der Preis und die Bedingungen scheinen akzeptabel.

Kapitel 1: Der Mast

Oktober 21

Mein Vorbesitzer hatte einen Jütbaum gebaut: "jaja, dat geht ganz einfach". Und so beschließe ich, das im Hafen einfach zu probieren. Mit gelegtem Mast muss ich dann ja auch nicht bei den Brücken warten.
Ganz einfach geht es nun nicht, aber nach 2 Stunden sind wir soweit, die Wanten sind los, ich stehe an der Winsch und wir lassen den Mast runter. Zumindest teilweise. Denn als der Mast schräg steht, reißt die Halterung, mit der das Vorstag an Deck befestigt wurde einfach ab. Die Schweißnaht war wohl eher geklebt als geschweißt.
Ich kann den Reflex, den Mast mit der Hand abzufangen gerade noch unterdrücken und so kracht der Mast mit Schmackes auf den Aufbau.Ich bin vor Schreck so gelähmt, dass ich mich nicht traue, mich umzudrehen, ob auf dem Steg jemand stand, oder ein Boot beschädigt wurde.
Trotzdem wuchten Konstantina und ich den Mast auf die Halterungen und mit einem Mordsschreck in den Knochen fahren wir gen Grou. 
 

 
In der Werft wartet man schon auf uns, aber warum wir das mit dem Mast selbst machen, die haben einen Kran für so was.
Ich zeige Omme, einem Angestellten, den Schaden, den ich erkennen kann, und höre zum ersten Mal den Satz, der im kommenden Winter zum Standardrepertoire gehört: "Das ist kein Problem"


 
Der Mast soll bis Februar trocknen, dann wird er mit Epoxy behandelt, dann ist er stabiler als je zuvor. So der Plan. Bis dahin soll der in der Halle trocknen.
Was da kosten soll, kann mir niemand sagen.
 
Als ich aber eine Woche später wieder zur Werft komme um Ithaka einzupacken, liegt der Mast immer noch auf dem Boot. Vom In-die-Halle-packen keine Spur.
Ich spreche Omme an, der fährt mit einem Gabelstapler vor, und lädt den Mast erst einmal vom Boot, damit ich die Planen drüber machen kann.
Zwei Wochen später liegt der Mast immer noch da.
Vom in-die Halle-fahren immer noch keine Spur.
Ich muss Fred, dem Werftbesitzer erst eine nachdrückliche Mail schreiben, dann kommt der Mast in die Halle: "Kein Problem".
 

Anfang März 22

 
Im Februar kann mir immer noch niemand sagen, was die Epoxy-Behandlung kosten soll, dann fährt Anton mit zur Werft.
Gemeinsam holen wir den Mast, der in der Halle unter der Decke aufgehängt ist, herunter.
Legen ihn auf zwei Böcke und fangen an, den alten Lack abzuarbeiten.
 


Anton ist sehr unbegeistert. 
 



Fred kommt dazu, von "kein Problem" ist auch keine Rede mehr.
Anton und er frieseln miteinander ich stehe dumm rum, dann fällt das Urteil: Der Mast ist nicht zu retten, Epoxy hin oder her.
Ich schwanke zwischen Unglauben und Ärger. Unglaube, weil Omme doch versprochen hat... 
und Ärger, weil das Geld für die Einlagerung hat Fred ja nun schon genommen.
Die beiden frieseln weiter, viel "hmmhmm" und "jaja", dann meint Anton, dass da noch ein Holzmast liegt, den sollen wir mal ausmessen. 
der ist aber 38 cm kürzer als meiner und an der Spitze ist er krumm. Dafür ungeheuer solide. Aber "das ist kein Problem", das zieht man mit der Want gerade
Fred schlägt vor, dem Mast eine Art Prothese anzulegen, auch das ist "kein Problem".
Was der kosten soll?
"2 Kisten Bier". Ich glaube, mich verhört zu haben, aber es stimmt. Wieder einmal bewundere ich das Kommunikationsgenie Anton, der Gott und die Welt kennt und für sich einnehmen kann.
 

Natürlich brauchen wir einen neuen Mastfuß, die Höhendifferenz muss ja ausgeglichen werden.
"Das ist kein Problem" sagt Anton.
Und fängt schon mal an zu schweißen.
 




Dann ist es soweit, der alte Mastfuß kommt weg. Das müssen wir unter der Plane machen, damit kein Metallstaub auf die andere Boote fliegt.
 

 

April 2022

Allmählich sollte warm genug werden, um den Mast zu streichen. Das muss ich draußen machen, in die Halle kann ich nicht. Entweder da lackiert jemand, dann kann ich nicht schleifen, oder es schleift jemand, dann kann ich nicht streichen.
 
 
Weiß soll er werden, das ist schnell klar.
Aber vielleicht ist es zu kalt, vielleicht bin ich zu ungeduldig. Als wir den Mastfuß anprobieren, stellen wir fest: die Farbe hält nicht. Einen frustrierenden Tag lang, sind Konstantina und ich damit beschäftigt, die Farbe wieder abzukratzen. 
Dann übernimmt Anja die Streicherei...
 
 
... und ich fange an, mit Anton zu schweißen.
Und weil hier nichts einfach ist, muss natürlich auch die Deckenverkleidung weg.
Und noch was hingeschweißt werden.
Und Konstantina muss unter Deck aufpassen, dass nichts brennt.


Mai 2022

In der Zwischenzeit wohne ich praktisch bei Anton und Anja. Und bin jeden Tag an der Ithaka. 
Salinge, Wanten, Blöcke, Fallen müssen noch dran gebaut werden und Leitungen durch den Mast gezogen werden. Und ich bete, dass wir genau gerechnet haben und dass die Wanten passen. In meinen Träumen sehe ich die Wanten schlaff herunter hängen, oder 10 cm zu kurz. 
 
 
Eigentlich wollte ich heute auf größere Fahrt gehen, aber selbst der Zusammenbau dauert einen Tag. 
Es sind nämlich 194 Schritte vom Mast vor der Halle zum Boot. Einfach.
Die Beschläge sind in einem Eimer, ein paar neue Blöcke und rostfreie Schrauben habe ich vorher besorgt. Aber: Schraubenzieher vergessen: 194 Schritte zum Boot, 194 Schritte zurück.
falscher Schraubenschlüssel: 194 Schritte...
So vergeht ein Tag.

Das Boot dann ins Wasser zu bekommen, ist das nächste Problem. 
Am 1. Mai arbeitet keiner, dann ist der Montag, da ist zu viel los, dann hat Omme frei, dann ist nationaler Gedenktag...
 
Immerhin wird Ithaka schon mal an den Kran gezogen, weil ich noch einen Halter der Selbststeueranlage an den Heckkorb schweißen will
 

Tatsächlich verpasse ich das Kranen, weil ich Mittwochs etwas später zur Werft komme. Anton hat sich in der Zwischenzeit mit der Rik gen Norwegen verabschiedet und kann nicht sehen, wie der Mast gestellt wird. Ich sehe auch nur den zweiten Teil, als ich ankomme, steht der Mast teilweise.
Und tatsächlich: alles passt: Vor- und Backstag brauche eine Verlängerung, weil der neuen Mast 5 cm höher steht als der alte, aber mit meiner Sammlung von Wantenspannern und Schäkeln ist das "kein Problem".
 



 

Ist es noch Wartung, oder schon Refit: Und sonst so?

 Unterwasserschiff





"Jaja, das haben wir alles neu gemacht" hatte der Verkäufer noch gesagt. Beim Reinigen kam mir die eine Hälfte des Antifoulings entgegen, als der Spachtel zum Einsatz kommt, weitere Teile. Man muss eben auch grundieren


Und hier kommen dann Konstantina und Anja ins Spiel. Konstantina pinselt, was das Zeug hält, am Ende ist das Schiff unter Wasser rot.




Lazybag:


Ein Lazybag will auch gemacht werden, sonst klappt das mit dem Segelbergen beim  Einhandsegeln nicht so.



Dazu habe ich mir dann tatsächlich noch eine alte Tretnähmaschine von Pfaff gekauft, die näht alles.
Nur das Reinfummeln in den Baum war viel schwieriger, als gedacht.

Am Ende sieht es aber ganz gut aus und funktioniert tadellos.

Fußboden:

Der Teppichbodem Boot roch feucht, also raus damit und die Bodenplatten frisch gestrichen. Das nervte eigentlich nur die Hausbewohner im Erdgeschoss






In der Zwischenzeit sieht es unter Deck verheerend aus. Ein Zustand, der sich erst zwei Tage vor der Abreise ändert.

Oben im Mast:


Gleich sechs Mal muss ich in den Mast klettern: 
Sei es, dass das Fall des Vorsegels sich vertüddelt, die Spezialisten der Werft das Spinnakerfall so angelegt haben, dass es sich ebenfalls im Fockfall verhakt, das Anker- oder das Dampferlicht nicht funktioniert: Jedes Mal muss ich rauf.





Obwohl ich alles andere als schwindelfrei bin



bis das Licht funktioniert und das Vorsegel frei auf und zu geht-


die Aussicht ist schon klasse

Windfahnensteuerung gebaut.


Ich plane ja, lange Strecken zu planen und eine Windfahnensteuerung ist schon lange mein Traum.
Eine völlig selbst zu bauen ist mir zu aufwändig, obwohl Torsten auf seiner Illub das gemacht hat.
Nach vielem Suchen finde ich die Webseite von Sven Heesterman. 
Mr. Vee. Die Anlage ist einigermaßen preiswert, scheint weitgehend zu Selbstbau geeignet, leicht und klein genug, als dass sie ans Heck der Ithaka passt.
Im Februar treffe ich Sven in Lelystad, er führt mir die Anlage vor, ich bin überzeugt und bestelle sie.
Danach liegt sie erst einmal ein paar Wochen im Keller, bis ich die Zeit finde, mich damit zu beschäftigen.

Zunächst muss ich das Ruderblatt des Pendelruders aus dem Rohling herausarbeiten, dazu dient wieder Mutters Garage. Mein Keller wäre in Minuten verstaubt.




Zuerst muss ich austüfteln, wie der ganze Spaß überhaupt funktionieren soll, so ganz stellt sich das aus der Bauanleitung im Internet nämlich nicht dar. (Eigentlich sind die Anleitungen weitgehend untauglich, weil sie das Vormodell darstellen, aber Sven beantwortet jede Frage. Und da gibt es eine Menge.)
Ich streiche die Einzelteile um sie vor UV-Licht zu schützen, und montiere zu Hause schon mal vor. 



Die Montage am Boot ist dann tatsächlich auch an einem halben Tag fertig.

Auf der Werft habe ich, ausgehend von den Daten im Internet zusätzliche Halter an den Heckkorb geschweißt, die sind aber unnötig, die Daten stimmen einfach nicht mehr.
Ich kann aber zufällig die Löcher nehmen, die von der Badeleiter schon da waren, nur sehr, sehr verrenken muss ich mich, um Schrauben und Muttern zu erreichen.
Nachdem dutzende Einzelteile und Schrauben richtig verbaut sind, fahre ich aufs Sneeker Meer zum Ausprobieren - und mehr oder weniger im Kreis. Die Modalitäten der Feineinstellung erschließen sich mir nur Stück für Stück. Sie stehen nicht in der Broschüre. Zum Beispiel definiert sich die Höhe des Mastes nicht aus einem festen Maß, sondern aus dem neutralen Lauf des Pendelruders, weil das wohl nie 100% symmetrisch ist. Ein bisschen zu lang oder zu kurz eingestellt, das Pendelruder schlägt aus und zieht die Pinne aus der Neutralstellung. Nachdem ich das raushabe, geht es tadellos. 


Kettenklüse dran:


tatsächlich weiß ich nicht einmal, wie ich an den Kettenkasten kommen soll, bis ich die Platte am Fußende des Bettes abmontiert bekomme. Die Kettenklüse ist für die geplante Kette zu klein, aber in Athen habe ich in eine aus Edelstahl für wenig Geld bekommen.




Autokram 

Irgendwann war meinem Auto die Fahrerei nach Sneek an fast jedem Wochenende dann doch zu viel und der Kühler ging kaputt. So mussten in Apeldoorn abgeschleppt und spätabends von Anton von der Autobahn gerettet werden mussten.


wobei das Auto dann in der Werkstatt so aussah.


nur damit uns kurz danach in den NL jemand hinten auf den Anhänger drauf fuhr.


Corona

war ja auch noch...


 





Sønderborg 2.9. - 6.9. 2026

  Meine Laune ist nicht die allerbeste, als ich morgens aufwache, die ganze Nacht hat es geregnet, es war windig und ich bin immer wieder au...