Sonntag, 26. April 2020

Jeansblau

Wunderschönes Frühlingswetter, großartiger Wind, Anton und Anja machen mir die Zähne lang.
Und die Schabernack ist an Land.
Und noch nicht gestrichen.
Dann kommen auch noch die Vorsegel, die ich bei der Messe bestellt habe... und die darf ich in Noordholland nicht selbst abholen, die schicke ich auch zu Anton.
Dann ist es endlich so weit. Morgens früh um 4.30 fahre ich los, ich will drei Schichten streichen und zwischen jeder müssen 4 Stunden liegen. Bei 20 Grad.


Nach der ersten Schicht Primer sieht es noch nicht so richtig toll aus,


Nach der zweiten Schicht schon eher.


Die Zeit zwischen den Anstrichen verbringe ich am Abschlussdeich, in Makkum, am Strand. Überall das gleiche Bild: gähnende Leere.
Nur auf dem Wasser tummeln sich bei bestem Segelwetter die Boote.

Anton lässt es sich nicht nehmen, wenn gebastelt und gestrichen wird, ist er dabei, 


Dann ist es fertig. Jeansblau, nennt Marion es.


 Wenn ich jemals eine Jeans in dieser Farbe anziehe, töte mich...

 

Sonntag, 15. März 2020

Untenrum nackig machen

Ich habe die Schabernack erst ein einziges Mal aus dem Wasser draußen gehabt, diesen Winter ist es einfach mal nötig. 
Es wird schwierig genug in Sneek einen Platz zu finden, die zum einen überhaupt Platz haben, einen Kran, der die Schabernack aus dem Wasser holen kann und bei dem ich die dringend nötige Arbeit erledigen kann.
Es wird am Ende der Yachtservice van der Meer. Nicht ganz billig, aber ich kann dort arbeiten und das Antifouling endlich einmal ersetzen.
Kurz nach Karneval ist es so weit: Ich schnappe die Plane, die Ziehklingen und los gehts nach Sneek. Das Abschaben geht rasend schnell. Allerdings ist es so windig, dass es das abgeschabte Antifouling über den ganzen Platz zu verteilen droht. 


Vorher


nach 15 min Ziehklingeneinsatz: 


De heer van der Meer  bittet mich dann auch, aufzuhören, das hat ja alles auch wenig Sinn. 
Dafür stellt er mir, wenn ich wiederkomme, sein Werkzeug zur Verfügung. Ziehklinge und Schleifer mit Absaugung. Wohlan. 

Zwei Wochen später: Konstantina hat sich angekündigt, sie hat eine Woche frei. Und ich freue mich, beim Abschaben Hilfe zu haben.







Dann geht es ans Schleifen. 
Dies ist nur ein Beispielbild, ich will herausfinden wie schnell die Schleiferei geht. 
 

Geht so, mir fallen die Arme fast ab, bis das endlich fertig geschliffen ist.
 


Ein paar komische Stellen kommen ans Tageslicht. Zum Beispiel ist neben der Steuerbordstütze einmal ein Loch verschlossen worden. Hatte das Boot mal so heftigen Grundkontakt? Eine Stelle markiert die ehemalige Kühlwasserzufuhr, aber bei zwei anderen Stellen bin ich mir nicht sicher.
Immerhin hat das Ruder kein Spiel. 


Es tut gut, Anton und Anja wiederzusehen. Wir übernachten da, es wird gefeiert getrunken und gequatscht und Konstantina erweist sich wieder einmal als Kommunikationswunder.


Eigentlich plane ich, am kommenden Wochenende zu streichen, uneigentlich kommt das Corona-Virus dazwischen. Reiseeinschränkung, verminderte Sozialkontakte und damit  eine erzwungende Ruhepause.


Freitag, 9. August 2019

Und dann?


Ich bin abends noch nach Köln gefahren.
Ich will die Fahrt für mich zum Abschluss bringen und brauche ein paar Tage Routineleben; am Montag muss ich arbeiten, keine Ahnung wie das gehen soll.

Ein paar Daten:

104 Tage unterwegs
90 Tage einhand

2100 sm gefahren
längster Schlag 155 sm in 36 Std.


Donnerstag, 8. August 2019

Anders als man denkt: Staande Mastroute 5.8. - 8.8.2019


Der Morgen beginnt mit einer handfesten Überraschung: Der kräftige Südwind, der mich vor Schiermonnikoog bringen sollte fällt schlicht aus.
Nicht nur, dass phänomenologisch die sichtbaren Windräder still stehen, auch der Windfinder will von seiner gestrigen Ansage nichts mehr wissen: 1-2 bft. aus verschiedenen Richtungen.
Ich überlege: die Tour wie geplant mit dem Motor, oder bis 9 Uhr warten und dann gepflegt mit dem Flutstrom nach Delfzijl.
Ich entscheide mich fürs warme Bett und lege mich wieder hin.
Morgens melde ich mich beim Hafenmeister, der eher überrascht wirkt, die meisten Segler verziehen sich heimlich, still und leise, wissend, dass man an den Steigern eigentlich nicht liegen darf, die sind für Berufsschiffahrt.

    
Aus Port Henry wäre ich allerdings nie im Leben rausgekommen, die Einfahrt ist total versandet.

Schön ist die Fahrt durch die Ems nicht, allerdings habe ich jetzt das Gefühl, dass ich es schaffen werde. Wäre ich in Norderney geblieben, bekäme ich jetzt Stress, so hatte ich noch einen schönen Segeltag und die Staande Mastroute hat ja schon ihre Reize.
Trotzdem will es in der ersten Stunde noch nicht so richtig fluppen, schneller wird es erst später, dann aber richtig.




Erst die Seeschleuse in Delfzijl gibt mir nach all den Mühen der letzten Wochen das Gefühl, dass es jetzt stürmen und schneien kann, ich bin sicher.
Ich nehme mir vor, so weit zu fahren, wie ich heute komme. Dabei hat das Wetter bis Groningen schon noch Luft nach oben, aber immerhin regnet es nur ab und zu.


Das Hafen in Groningen ist geradezu absurd überfüllt: Die letzte Bückenöffnung, die um 19:00 normalerweise noch einen Konvoi durch die Stadt befördert, fällt im Moment aus, alles drängelt sich auf allerengstem Raum.
Die Tour durch Groningen am morgen ist allerdings auch beim 3. Mal spektakulär.






Dann mäandert die Fahrt so vor sich hin, durch Felder und Wiesen... schön.


Ab und zu muss dann mal ein bisschen geschleust werden.


Vorbei am Recreatie-Center, das ich 2013 gesucht hab, und das damals noch im Bau war. Und ich ein Wochenende zwischen zwei Brücken zubringen musste


Dann wieder Wiese und Himmel



Kurz vor Dokkum folge ich der Tradition, am letzten Tag einer Reise alle Gastlandflaggen der besuchten Länder unter die aktuelle zu setzen.


Weil morgen soll es nach Sneek gehen.
Dann aber treffe ich Torsten und Sarah.
Verdammt, wäre ich nur eine Brücke weitergefahren, hätten wir einen Abend miteinander verbringen können, so feiern wir unser Wiedersehen mit Kaffee.


Dokkum ist wieder genauso anstrengend und lautstark wie eh und je, ein paar Brücken sind extrem eng und die Charterkapitäne haben das oft nicht im Griff, auf der Seite zu warten, bis sie Durchfahrt haben. Das gibt dann immer viel Geschrei und Rumgebrülle. Eigentlich sollte ich mir mal so einen Tag Hafenkino gönnen, aber nicht heute, immerhin tanke ich noch einmal.
Nachdem ich so lange bei Torsten gesessen hab, überlege ich, noch einmal in Leuwaarden zu übernachten, aber im Kanal, der ja gleichzeitig Hafen ist, ist es ebenfalls zu wuselig, chaotisch, laut. Ich fahre noch durch die etwas nervigen Eisenbahnbrücken (Hinweis: Nächstes mal Richtung Harlingen abbiegen und dann über Kornwerdersend ins Ijsselmeer) und finde meinen letzten Übernachtungsplatz für diese Reise.

  
Kurz vor meinem Hafen treffe ich mich noch einmal mit Anton und Anja, die mit der Rik am Kanal ankern und auf mich warten.
Und dann bleibe ich tatsächlich zum ersten mal richtig stecken: Ein paar Meter, bevor ich den Steg erreiche - nix mehr.


Anton holt mich mit dem Schlauchboot auf die Rik, wir feiern und tauschen Erinnerungen.
Und Anton bringt das ultimative Lob: "Du hast eine Super-Sache gesegelt. Nach Gotland war ein Meisterstück". Ich werde knallrot und verlegen wie ein Schuljunge.


Die beiden sind auf dem Weg zu einer Hochzeit, und ich will es jetzt auch hinter mich bringen:





In den Kanal zum Hafen



in die Hafeneinfahrt. Der Hafenmeister sitzt wieder auf seinem Rasenmäher und winkt.


Wieder einmal vorbei an meinem Steg, also rückwärts,


und mit Schwung in meine Box. 
Ich lege an, schalte den Motor ab, er knackt noch leise nach. Und dann sitze ich erst mal nur da.
Der Hafenmeister kommt an meinen Steg: 
"Mensch! Drei Monate! Wie war's?"
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"Ach..."

Sonntag, 4. August 2019

Was man hat, das hat man... Borkum 4.8.2019


Die Entscheidung fällt dann recht spontan: Was ich hab, das hab ich. Die Wettervorhersagen ändern sich im Moment praktisch stündlich, besser werden die dabei selten.
Um 14:00 geht's dann los: Der Ebbstrom lässt zwar wieder auf sich warten, aber als ich den Schluchter, dessen neue Markierung ich mühsam herausgesucht hab, und dessen Tonnen nun gerade einmal 50m versetzt sind, passiere, geht es sehr flott voran. Eigentlich ja mit Gegenwind, der Ebbstrom will mein Boot aber von den Inseln wegdrücken. Und das gibt mir die Gelegenheit, Höhe zu gewinnen.
Eilig habe ich es ohnehin nicht, vor 20 Uhr brauche ich nicht an der Einfahrt der Ems zu sein.


Und als der Flutstrom schon wieder nicht mit den Angaben aus Navionics übereinstimmt, sondern ich gegen Strömung herumdümpele, versuche ich der Sache auf den Grund zu gehen.
Tja, Navionics verwendet bei der Angabe der Strömung wohl die Daten des bsh. Die sind aber in UTC, also Greenwitch-Zeit. Und bastelt die einfach mal so in eine Karte mit gesetzlicher Zeit. 
Die Angaben sind also 2 Stunden zu früh.
Der Flustrom setzt also erst in 2 Stunden ein. Na prima.
Es wird dann auch schon sehr dunkel, als ich Borkum anlaufe.
Ich entscheide mich für den Industriehafen, da komme ich wenigstens raus, wenn ich das will.




Selbst dieser Hafen ist rappelvoll, mein Anlegemanöver auf engstem Raum wird von der Crew einer riesigen Charteryacht mit "Was will denn der um diese Uhrzeit noch hier" und mit dicken Backen kauend, verfolgt.
Nachdem niemand beim Anlegen hilft, kann ich es mir nicht verkneifen, mich nach (sehr gelungenem) Manöver vor die Yacht zu stellen, mich zu verbeugen und  mit "vielen Dank fürs Zuschauen" in die Nachtruhe zu begeben.
Morgen wird es wohl sehr früh. Der Plan: 
Mit den angesagten kräftigen Süden sollte ich prima durch das Hubertusgatt kommen, um dann rund um Schiermonnikoog ins Leuwersmeer.

  

Sønderborg 2.9. - 6.9. 2026

  Meine Laune ist nicht die allerbeste, als ich morgens aufwache, die ganze Nacht hat es geregnet, es war windig und ich bin immer wieder au...