Samstag, 18. Juni 2022

Birkholm 17.6. - 19.6.2022

 


Grau und trübe ist es, aber vielleicht wird es dann doch endlich Sommer, ich muss mich nicht mehr warm einpacken.
Der Törnführer sagt, es sei "eine Einöde", dieses Birkholm, nur 10 Menschen lebten da, der Hafen winzig und nicht ganz so einfach anzusteuern. Und es sind nur 8 sm, danach steht mir nun der Sinn.
Im winzigen Hafen sind gleich ein paar helfende Hände da, mehr als 10 Boote werden nicht hier rein gehen, Ithaka ist Nr. 9. Bezahlt wird an einem Briefkasten, man wirft seinen Obulus hier hinein und gut ist's.  


Der "Ort": niedlich, hier ist die Zeit irgendwann einmal stehen geblieben, von "Einöde" keine Spur. Ich spaziere über diese wunderliche Insel, genieße die Ruhe und die Einsamkeit. 





Es gibt sogar einen "Buchhandel". 2 dutzend Bücher, alle kosten 5 DKr und man tut das Geld in eine Tupperdose.




Apropos Tupperdose: Welches Geschäftsmodell sich dieser Mensch wohl ausgedacht hat, hier, an diesem verlassenen Ort einen Handel mit Tupperware zu gründen, erschließt sich mir nicht. 


Abends wird Boote-Bondage gemacht, der Wind frischt ganz schön auf. 

Donnerstag, 16. Juni 2022

Jetzt ist Urlaub / Marstal 16.6.2022

 


Um 9:30 werfe ich die Leien los, eigentlich sollte ja schon 3-4 bf wehen. Bis Laboe merke ich davon nichts.

Zum Glück.

Ich sehe nämlich voller Schrecken, dass sich die Leimfuge am Baum auflöst, der Baum ist gerade dabei, in der Mitte aufzureißen. Hätten wir jetzt sehr viel Wind gehabt, wäre das das Ende des Baum gewesen, so nehme ich das Großsegel herunter und mit Bohrer, Gewindestangen und Muttern stabilisiere ich den Baum bei voller Fahrt mitten im Fahrwasser. Wat willste machen?








Und weil ich gerade so schön am basteln bin, beschäftige ich mich noch einmal mit der Windfahne. Zunächst stabilisiere ich die Rotiererei mit ein paar Lagen Ducktape. Und solange wir nicht schneller als 2 - 3 kn sind, kann ich rumprobieren, um die "neutrale Stellung" also die Position, in der das Pendelruder mittig ist, nicht ausschlagen will und die Windfahne zentral steht, zu finden. Das dauert ein bisschen aber irgendwann gelingt es. 

In der Zwischenzeit ist der Wind komplett eingeschlafen, ich schmeiße den Motor an (klappt wieder einmal tatellos) und fahre eine Stunde. Gerade, als ich mich darauf einstellen will, dass ich wohl bis Marstal motoren muss, fängt das Wasser an, sich zu kräuseln. Aus Motoren mit Segelunterstützung wird schnell segeln mit Motorunterstützung. Und dann nur segeln.


Jetzt gilt es: ich versuche die Windfahne noch einmal in Betrieb zu setzen. Und siehe da, es klappt.


Ein paar Stunden lang steuert das Boot nur der Windfahne, obwohl die neutrale Position immer noch nicht ganz genau eingestellt ist.


Es geht mit Schmackes weiter, ich sitze vorne auf dem Boot und lasse mich segeln. Und irgendwann bin ich in Dänemark. Und das ist dann Urlaub. Wenn man im Ausland angekommen ist.

Über das Anlanden in einer viel zu großen Box möchte ich lieber den Mantel des Schweigens legen. 

Aber der Ort ist hygge.






 



In hundert Kurven nach Kiel 12.6.- 16.6.2022

 


Alleine, wenn man die Karte anschaut, muss man Lust bekommen, auf der Eider zu fahren: Unendlich viele Kurven, ein paar hübsche Städtchen, und überall darf man ankern.
Ich verlassen Tönning sobald das Wasser hoch genug steht, um mich aus dem Hafen zu lassen, damit ich noch eine Weile den Flutstrom nutzen kann. Noch ist alles recht breit und offen, ich kann die ganze Zeit segeln, nur in einigen Kehren geht es zu sehr gegen den Wind, da muss der Motor kurz ran. (der gerade gar keine Zicken macht)


 Mein Versuch, Friedrichstadt anzusehen, scheitert allerdings, die Schleuse wird erst wieder am Abend bedient, so lange mag ich nicht warten.
Abgesehen davon, funktionieren die Brücken fantastisch: Als ich an die Eisenbahnbrücke komme, bescheinigt mir der Brückenwärter, dass er mich bereits sieht, die Brücke geht schon auf.


Die Schleuse Nordfeld verpasse ich allerdings um Haaresbreite: Noch während ich mir überlege, ob ich eine Schilfinsel rechts oder links umfahren soll, sehe ich aus dem Augenwinkel zwei grüne Leuchtzeichen.
Und dann sehe ich es auch auf der Karte: Das ist die Schleuse Nordfeld, ab hier gibts keine Tide mehr.
Die Schleuse gerät fast zum Fiasko:  Ich bin nicht vorbereitet, keine Fender, keine Leine. Ich muss zudem einen Riesenschritt zum Pier machen, weil der Wind mich abtreibt, dabei zerre ich mir meinen Oberschenkelmuskel, in den nächsten Tagen werde ich nicht gut sitzen können.


Ich suche mir einen wunderbaren Ankerplatz und lasse den Tag ausklingen.
Morgens lasse ich es langsam angehen, obwohl ich bis 18:00 an der Giselauschleuse sein sollte. Die Eider schlängelt sich malerisch durch die Landschaft, nichts um da durchzuheizen.



Trotzdem komme ich rechteitig an der Schleuse an, allein: da ist niemand mehr. Ich mache am Leitwerk fest (verboten) und gehe zum Brückenwärterhäuschen (auch verboten). Da treffe ich nur die Putzfrau: "Ja, der ist schon weg, der musste ja bestimmt wieder zum Arzt. Die wollen ja auch pünktlich nach Hause, die Ärzte." 
Auch ne Logik.
Ich bleibe die Nacht über am Leitwerk liegen und weiß Gott, ich hab schon schlimmer geschlafen.
Morgens steige ich dann zum Schleusenmeister ins Büro, der gleich mal die Kanalgebühr kassiert. 7 Euro. Weil der Automat in Kiel kaputt ist. 
60 km Kanal sind schnell erzählt: ---


Es gibt immer noch nichts zu sehen


Es fahren immer noch Riesenpötte auf dem Kanal



... und tatsächlich gibt es immer noch Wohnmobilfahrer die sich voller Freude unter eine Autobahnbrücke stellen und auf den Kanal gucken.
Ich höre podcasts, lese ein bisschen, der Autopilot und der Motor machen den Rest.
Die Schleuse entpuppt sich diesmal als völlig stressfrei: Hatte ich 2019 noch eine Wartezeit von ein paar Stunden, bis sich die Yachten dann zu den Dickschiffen quetschen konnten, öffnen die hier eine Schleuse für drei Boote, nach 15 min.


Ich lege im "Hafen Holtenau" an, wundere mich etwas über das rot-weiße Flatterband, denke mir aber nichts dabei, weil ja auch andere Boote hier liegen.
Allerdings ist der Hafen geschlossen, weil die Steganlage erneuert wird. Den Bauarbeitern ist es egal, wir können gerne hier liegen, ich nutze einen Tag ohne Wind, um Wäsche zu waschen und mich in der Badeanstalt (draußen) zu duschen. Das ist kalt, sehr kalt, aber jeder versichert mir, dass Duschwasser ist immer noch wärmer, als das Ostseewasser.
Ich komme mit Griet ins Gespräch. Sie ist aus Delfzijl, Ende 60, seit einem halben Jahr verwitwet und nun liegt die hier fest, nachdem sie sich ein Boot in Dänemark gekauft hat. Nun leckt der Dieseltank. Sie hat schon alle Schapps sauber machen müssen, weil der Diesel hier seinen Weg in die Bilge und an die Batterien genommen hat.
Ich pumpe den Rest aus dem Tank ab, und nehme die Batterien den Tag über zu mir um sie solar aufzuladen.
Ein faszinierender Mensch, der all das mit einer Ruhe und einem Gleichmut meistert, das hat schon was stoisches.  

 

 



Sonntag, 12. Juni 2022

Tönning 10.6- 12.6.2022

 


Ich hatte den Hafenmeister noch gefragt: Bei Hochwasser losfahren, um bei Niedrigwasser an der Tonne „Eider 1„ anzukommen und sich dann mit dem Flustrom einziehen zu lassen. Für die 25 nm rechne ich mal 5 std, das sollte also hinhauen.
Ich kann noch im Vorhafen Segel setzen und dann gehts mit Schmackes los. Obwohl ich vorsichtshalber wieder einmal das erste Reff eingebunden habe, schafft Ithaka 6,5 kn, fährt dabei ganz entspannt. Das läuft natürlich nicht die ganze Zeit so schön, ich bin auf der Nordsee und das bedeutet, irgendwann habe ich den Strom gegenan, ich bin zu früh am Fahrwasser. Auch weil hier das Hochwasser zwei Stunden später ankommt, Die Kalkulation scheitert einfach an der simplen Tatsache, dass HW Helgoland nicht HW Eider ist. 
Im Wattfahrwasser fahre ich in Steinwurfweite an den Sandbänken vorbei, winke Fußgängern zu, die im Watt wandern gehen. Wahlweise auch reiten.
Am Sperrwerk sieht man mich und eine andere Yacht schon kommen, meine Sorge „wie telefoniere / funke ich die denn jetzt an?“ ist unbegründet, das Tor geht auf, als wir ankommen.
Mein Törnführer empfiehlt halbe Tide beim Einlaufen, sonst dräut die Sandbank, ich habe mich so verspekuliert, dass ich bei Niedrigwasser ankomme. Trotzdem fahre ich noch mit einem Meter unter dem Kiel in die Schleuse ein.
Nach dem Rausfahren ein Mordsschreck: Es klapptert, vibriert und schlägt im Ruder, dass es zum Fürchten ist. Ich bin sicher, ich verliere gleich mein Ruder. 
Motor wird sofort ausgeschaltet, dass Vibrieren und Lärmen wird etwas besser. Ich sehe auf der Karte nach: Tönning ist der nächste Ort. 

Mit einem ganzen kleinem bisschen Wind und dem Flutstrom komme ich langsam vorwärts, bis zur Hafeneinfahrt sind es 10 km. Wunderschöne 10 km, ich fahre wieder nur ein paar Meter an der Sandbänken vorbei im Slalom, um die roten und grünen Bojen.
Laufe in den Hafen ein, und finde gleich einen Platz am alten Packhaus. Morgen dann zur Werft, so der Plan.

Gleich steht dann auch schon der Hafenmeister, den ich nach der Werft frage, die im Törnführer steht, da will ich den Kran nutzen.
Die Werft gibt‘s seit 10 Jahren nicht mehr, da ist jetzt ein Bistro drin. 
Aaaaaber:
Es gibt eine Slipanlage, da soll ich bei Hochwasser rein, das Boot festmachen, warten und dann bei Niedrigwasser mal gucken, was da los ist. Und: Morgen ist Tag der offenen Tür im örtlichen Yachtclub, er ist sicher, da findet sich jemand, der mir zur Hand geht. Ich soll um 11.00 Uhr da sein, Hochwasser ist um 12.30.
Abends sehe ich mir das Städtchen an, es ist so schön, wie der Törnführer es beschreibt. Und jeder, den ich auf der Straße treffen, grüßt. „Moin".



Der nächste Morgen stellt meinen Verstand auf eine harte Probe: Es ist Ebbe, es bleibt Ebbe. Es kommt einfach keine Flut.
Ich rechne hin und her, es bleibt dabei: Auch wenn die Vorhersagen der verschiedenen Apps sich um fast eine Stunde unterscheiden: da kommt kein Wasser. Verwunderlich.
Des Rätsels Lösung erfahre ich beim Yachtclub: Irgendwer hat bei Ebbe die Spültore geschlossen und jetzt gehen die nicht mehr auf. „Technisches Problem“ nennt man das. Der Plan fällt damit natürlich ins Wasser (haha!). Die Yachtclubmitglieder spekulieren, wägen ab -  Ergebnis: Ich muss halt ins Wasser. Der Schlick ist nur ein paar Zentimeter tief und dann mal tauchen. Am Ruder wackeln. Die Anoden prüfen, vielleicht ist da eine los. Mal gucken, ob ich mir was eingefangen hab, was jetzt um die Achse oder die Schraube hängt. 
Tauchen halt und im Trüben fischen (buchstäblich).
Gesagt- getan: mit Badehose und Taucherbrille bewaffnet gehe ins in Wasser: Ein paar Zentimeter Schlick gehen mir bis über die Oberschenkel, Ich rüttele und taste - nichts, was den Lärm und das Vibrieren erklären könnte. Erst als ich unter das Boot komme, kann ich an der Schraubenwelle etwas tasten. Es hat sich tatsächlich etwas darumgewickelt. Das schneide ich weg, das Problem ist gelöst.


Duschen, Wurst essen und beim Tage-der-offenen-Tür schnacken, dann ist der Tag rum. Schön.

Freitag, 10. Juni 2022

Helgoland 8.6 - 10.6.2022


Baltrum hat mir aufs Gemüt geschlagen, ich kann das dauernde Geheule des Windes, das „chrchr“ der Festmacher nicht mehr hören. Ich denke ernsthaft ans Abbrechen und nach Hause Fahren. Ich vermisse Konstantina, die gerade in Griechenland ist, von da aus arbeitet und die in den allabendlichen Whats-Apps-Anrufen von Hitze und Sonnenschein erzählt. Und ich bin bang, mit diesem unzuverlässigen Ungetüm nach Helgoland zu segeln...
Abends schaue ich bei der Hafenmeisterin vorbei, fragen, ob es sich lohnt, durchs Baltrumer Watt zu fahren. Interessanterweise meldet mir „Quicktide, dass das ab morgen für ein paar Tage nicht gehen würde. Da stehen dann zwei Typen, die klischeemäßiger nicht sein könnten: Flasche Bier, Zigaretten, Windjacken und Gebisse, die dem Inselzahnarzt einen Schauer über den Rücken jagen würde. Wenn er diese Gebisse jemals zu Gesicht bekäme.
Meine Frage, ob das klappt mit 1,20m morgen früh durchs Wattfahrwasser beantwortet er er mit etwas, das an eine Kopfschüttel-nicken erinnert.  „Nö, lass man“. Schluck Bier, Zigarette, Husten. Ich gucke den anderen, Typ „untersetzt, glatt zurückgekämmte Haare, Ziggarette, Flasche Bier“ an, in der Hoffnung auf eine andere Antwort: „Na, wenn der Captain das so sacht, dann muss das wohl so sein.“ Schluck Bier, Zigarette, zahnarmes Lachen.
Übersetzung Hafenmeisterin: „Ist knapp. Und das Fahrwasser ist nach dem Wind nu auch nicht mehr, wo die Pricken stehen. Und der Ostwind die ganze Zeit...“ 
„Warum bisse nich gestern gefahren?“ 
„Zu viel Wind“ 
„Auch wieder wahr“
Es hilft also nichts, ich muss um Norderney herum, ich denke, ich werde dann nach Hause fahren, durch den Schluchter nach Schiermonnikoog. 
Als ich hinter den Pricken bin, setze ich Segel, mit der Unterstützung des ablaufenden Wassers kriege ich eine schöne Geschwindigkeit. Weiter ins Gatt mit Rückenwind, als ich aber an die Fahrwasserboje zum Schluchter komme, sehe ich nur noch weißes Wasser vor mir. Die alte Dünung macht ein Höllenspektakel, eine holländische Yacht, die mit mir im Gatt ist, versucht es trotzdem und ich möchte da jetzt nicht an Bord sein.
Also gut, durch das Dovetief, ist ein paar Meilen Umweg, aber sicherer.
Das Wetter hat inzwischen aufgeklart, es bläst ein schöner raumer Wind, und als ich abbiegen müsste, um nach Westen zu segeln, nach Hause, lasse ich einfach weiterlaufen. Kurs 45 Grad, da ist Helgoland.
Obwohl mich der Ebbstrom jetzt bremst, komme ich immer noch auf 4-5 kn, damit wäre ich in 8 std. da. 
Die Wellen lassen nach einer oder zwei Stunden langsam nach, leider auch der Wind. Zuerst hatte ich noch ein Reff eingebunden, das ist jetzt raus, und irgendwann setze ich dann zum ersten Mal auf der Ithaka den Spinacker. 

Das ist zunächst ein ziemliche Gerödel, ich weiß ja nicht einmal, wo ich die Schoten festmachen soll,  und dann geht es mit schöner Geschwindigkeit voran. Auf Höhe der Reede muss ich dann aber doch noch den Motor anwerfen, der so schön startet, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte.


Die Windfahnensteurung von Mr.Vee  enttäuscht mich allerdings auf ganzer Linie: Sie wackelt wie ein Lämmerschwanz, die Windfahne rotiert immer wieder selbst in den Wind, anstatt das Boot zu steuern, ich nehme sie außer Betrieb. Ich muss Sven noch einmal anschreiben, was hier los ist.

Natürlich bekomme ich meinen üblichen Regenguss ab, der nicht von schlechten Eltern ist: Ich muss sogar die Beleuchtung anmachen, ich sehe nämlich nicht von einer Boje zur anderen, ab der Guss ist dann bald auch vorbei und ich kann endlich in den Hafen einfahren.

Es ist wahnsinnig berührend, wieder in Helgoland einzulaufen. Das war meine allererste Station an meinem allerersten Segeltag mit der Schabernack. Im Dezember im Dunkeln.
Diesmal nehme ich mir allerdings einen Tag Zeit und laufe zu der berühmten Steilküste, Vögel gucken. Und siehe da, ich bin nicht alleine.





Dienstag, 7. Juni 2022

Auf Baltrum war ich noch nie 4.6. - 8.6.2022

 

Bald ist die Hälfte meiner Reisezeit vorbei und ich bin noch nicht einmal in Dänemark. Und das ärme Dier, nachdem Konstantina weg ist, greift auch um sich. Ich setze trotzig meine Einhandflagge und lege zum vermeindlichen Katzensprung nach Baltrum ab. 
Erst ab Montag soll das Wetter besser und der Wind passend für den Sprung nach Helgoland werden. Allerdings sind sich die Meteorologen da nicht einig. Und die Zeit möchte ich doch nicht so gerne in Norderney verbringen.

Anfangs kann ich sogar segeln, allerdings wäre es sinnvoller gewesen, das erste Reff reinzutun, es ist schon ziemlich windig und ich schaffe es ein paar mal, die Reling ins Wasser zu tauchen. 
In einer Passage des Fahrwassers muss ich allerdings so stark eindrehen, dass ich nicht segeln kann und dem Motor anwerfen will. Der denkt allerdings nicht ans Starten, und macht: nichts. Wieder einmal gar nichts.
Ein paar Versuche, dann werfe ich den Anker, denn hier abgetrieben zu werden hat keinen Sinn, ich lande dann irgendwo auf einer Sandbank.
Blöderweise bringt auch das Anklemmen der anderen Batterie zunächst nichts. Ich messe: Volle Spannung, aber nicht einmal die Ladekontrollleuchte geht an.
Ich schalte die Hauptschalter von Motor und Verbraucher aus und an, mit dem Ergebnis, dass jetzt auch die Navigation weg ist und neu gestartet werden will, und dann, out-of-the-blue, ist alles wieder gut. Als wäre gar nichts passiert startet der Motor, mit der eigene Batterie, ohne Schnörkel.
Wäre ich abergläubig, so würde ich glauben, dass Ithaka ein Problem mit mir hat und Konstantina gerne mag. Weil sie null Stress macht, wenn sie an Bord ist.
Oder dass sie es mir immer noch übel nimmt, zur Taufe im Wasser gewesen zu sein. 
Wenn ich denn abergläubig wäre. 
Dass ich in der Einfahrt noch einen Fender verliere, den ich erst im zweiten Versuch per MOB-Manöver wiederkriege - geschenkt. Das ist nur die Kirsche auf einem gebrauchten Tag.
Im Hafen gehe ich auf Fehlersuche: Die Lichtmaschine lädt, das kann ich ganz einfach feststellen, im Leerlauf mit 4-5 A. Spannung ist auch genug da. Kontakte stimmen auch alle.  Ich weiß es nicht und das macht mich verrückt.



Borkum empfängt zunächste mit einer ganzen Reihe von Verbotsschildern. Dass es nicht erlaubt ist, ein eigenes Fahrrad mitzubringen, passt dann nur noch ins Bild. Mein Törnführer beschreibt Baltrum als „proper und frisch gewaschen“. Ich finde es eher langweilig, der Hafen sehr basic, eher wie eine Marekitte, dafür sehr teuer. Ok, um ein paar Sturmtage abzuwarten, Urlaub würde ich hier aber nicht machen.

Ich mache mich auf die Wanderung um die Insel. Nur: „gemessenen Schrittes“, wie im Törnführer beschrieben, an einem halben Nachmittag, das ist nicht zu machen. Auch wenn Baltrum für "bald rum" steht, es ist doch ein halber Tagesmarsch.


Montag stellt sich dann heraus, dass die pessimistischen Vorhersagen stimmten, seit morgens braust ein ziemlich kräftiger Wind über die Insel. Dafür ist es nun nicht mehr ganz so kalt.

Samstag, 4. Juni 2022

Endlich einmal segeln (2) Norderney 2.6. - 4.6.2022

 


Juist war eine Insel, auf der ich noch nie war und jetzt machen ich etwas, was ich auch noch nie gemacht hab: Ich fahre innen entlang übers Watt nach Norderney. Und es wird tatsächlich der bisher erste reine Segeltag bisher.

Dabei steuert eigentlich Konstantina, ich bin nur zum Segeltrimm da. Ab und zu muss ich mal eine Boje ansagen, sonst ist die Navigation doch eher einfach. Nur im Gatt zwischen Juist und Norderney wird es sehr unruhig, da nehme ich dann das Steuer. Ich finde es doch irritierend, wie stark sich das Boot auf die Seite legt, und wie stark es auf Welle reagiert. Vielleicht hat das was mit dem schwereren Mast zu tun.


Der Hafen Norderney ist mal wieder ziemlich voll. Und laut. Überall youngsters mit Ghettoblastern aus denen einfallsloser Rap dröhnt. Im Hafen, auf der Straße, im Strandkorb.
Im Kurpark Kaffee und Kuchen, wobei wir den Alterdurchschnitt um 15% senken, die Bedienungen, die es nicht auf die Reihe bekommt, herauszufinden, ob Konstantinas Kuchen denn nun Nüsse hat, oder nicht (er hat), ein Tagesticket mit dem Bus hopp-on-hopp-off, der Tag dauert hier allerdings nur von 11.00 - 16.00.



Klettern auf den Leuchtturm und nehmen erst einmal Abschied von einander, weil Konstantina wieder nach Griechenland fliegen muss. 

Donnerstag, 2. Juni 2022

Juist 31.5. - 2.6.2022

 

Auf  Juist war ich noch nie.  
Morgens können wir es ruhig angehen lassen. Wir entscheiden uns, nicht nach Greetsiel zu fahren, sondern gleich nach Juist überzusetzen. Dazu müssen wir über zwei Wattenhoch und die Zufahrt in den Hafen war immer so, dass Schabernack da nicht reinkam.
Oder wenigstens der Hafenmeister das am Telefon so ansagte.
Meine App „Quicktide“, die mich gestern eigentlich ziemlich veräppelt hat, was die Tiefe nach Greetsiel angeht, klärt mich auf, dass ich bis 14:30 in Juist reinkomme, also beste Gelegenheit, erst einmal ausführlich zu frühstücken und dann loszulegen. Das erste Flach erreichen wir noch eine halbe Stunde vor der errechneten Zeit. Konstantina sagt wieder an: 1,0... 0,5,... 0,3 ... 0,1... 0,0... Wir huschen ohne Grundberührung so gerade über das Flach, es wäre auch egal gewesen, wir haben einlaufenden Wasser, in einer viertel Stunde wären wir dann wieder frei gewesen. Trotzdem ist es erleichternd, als 0,5 und 1,0 angesagt werden.

Wir fangen an, uns einzuspielen: Entweder sie sagt die Tiefe an, oder sie steuert und ich navigiere: die Bojen sind schon recht weit auseinander und manchmal sieht man die nächste Boje erst, und auch das nur mit dem Fernglas, wenn eine erreicht ist. 
Das zweite Hoch und die Einfahrt in den Hafen genau zur Hochwasserzeit erreichen, habe wir immer einen Meter Wasser unter dem Kiel. Mindestens.






Der Hafen gehört zu den verwunderlichen Exemplaren, die fast komplett trocken fallen. Ich finde das jedes Mal erstaunlich und muss mich aber immer wieder daran erinnern, die Toilette bei Niedrigwasser nicht zu nutzen. 
Von einem Hafenmeister im eigentlichen Sinne kriegen  gar nichts mit. Eine ominöse „Peggy“ ist wohl drei Stunden nach HW für eine Stunde im Hafen. Gesehen haben wir sie nicht, auch nicht, als sie uns die Quittung für das Liegegeld aufs Boot gebracht hat.
Das musste man im Umschlag in den Hafenbürobriefkasten werfen. Incl. Wechselgeld.
Wir verbringen Zeit, obwohl es Konstantina viel zu kalt und zu windig ist. Lassen Drachen steigen, stehlen uns in Strandkörbe, kochen und essen. Machen Urlaub. Eigentlich zum ersten mal so richtig. 




Der Längengrad stimmt allerdings nicht. Der ist zwar dekorativ auf dem Deich zum Ausguck platziert, hält aber einer GPS-Überprüfung nicht stand. In Wirklichkeit ist er 180 m weiter östlich - im Watt

Sønderborg 2.9. - 6.9. 2026

  Meine Laune ist nicht die allerbeste, als ich morgens aufwache, die ganze Nacht hat es geregnet, es war windig und ich bin immer wieder au...